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Irans Motto für das Neue Jahr: „Wir fördern die Nationale Produktion“

Sogar Obama schickte Neujahrsgrüße an das iranische Volk. Viele iranische Politiker nahmen das Neujahrsfest am 20. März zum Anlass, den Iranern Grußbotschaften zu senden. Die Machthaber ziehen darin ein positives Fazit des vergangenen Jahres. Die Opposition kann sich nur mit alten Videobotschaften zu Wort melden, da ihre Führungspersönlichkeiten immer noch unter Hausarrest stehen. mehr »

Khamenei: „Trotz negativer Propaganda gut durchgeschlagen“

Das iranische Staatsoberhaupt, der Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei, betonte in seiner Neujahrsansprache: “Das vergangene Jahr war sowohl für uns als auch für die Länder in der Region ein absolut bewegendes Jahr. Für das iranische Volk hat sich die Lage sehr vorteilhaft entwickelt.“ Khamenei fügte hinzu: “Diejenigen, die sich in den westlichen Ländern in ihren Köpfen böse Pläne für den Iran ausdenken, leiden selbst unter verschiedensten Problemen. Hingegen ist bewiesen, dass die Völker, die in dieser Region von uns unterstützt wurden, auch stets erfolgreich ihre großen Ziele erreicht haben.“

Khamenei sieht eine positive Zukunft für sein Land: „Der Iran hat sich trotz vieler Staatsfeinde und massiver negativer Propaganda gut durchgeschlagen.“ Unter dem Druck habe die Bevölkerung ihre Freude nicht verloren, sondern etliche Erfolge in vielen Sektoren wie Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erzielen können. Da die internationalen Sanktionen gegen den Iran sich im letzten Jahr verschärft hätten, wolle man im kommenden Jahr auf mehr „nationale Produktion“ und die Förderung iranischer Investoren setzen. Khamenei sagte:“ Dadurch erhoffen wir uns, dass die iranische Bevölkerung die Verschwörungen ihrer Feinde weiterhin auch wirtschaftlich gut übersteht.“

Ahmadinedschad: „Mit noch mehr Schwung ins Neue Jahr“

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte in seiner Neujahrsrede: „ Die iranische Bevölkerung wird im kommenden Jahr mit noch mehr Schwung in wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, industriellen, und politischen Bereichen ihre Fähigkeiten erweitern.“

Ahmadinedschad betonte, dass im vergangenen Jahr landesweit Zehntausende Bauprojekte entstanden seien, ebenso seien einige wissenschaftliche Projekte dem Volk gewidmet worden: „In dieser Zeit haben wir es geschafft, zahlreiche
Umgestaltungspläne zu realisieren. Dafür möchte ich mich bei Gott für seine Hilfe bedanken, aber auch bei der Bevölkerung für ihre Ausdauer und ihr Verständnis.“ Ahmadinedschad fuhr in seiner Rede fort, der Iran solle sich durch das nationale Wissen und das eigene Streben entwickeln: „Die Regierung hat sich auch im kommenden Jahr die Förderung der nationalen Produktion und die Unterstützung iranischer Investoren groß auf die Fahne geschrieben.“

Reformer: „Nichts hat sich verändert“

Die den politischen Reformern nahestehenden Internetseiten wie etwa Kalameh haben in diesem Jahr erneut die Videobotschaften  der Oppositionsführer zum Neujahrsfest von vor zwei Jahren veröffentlicht. Mir Hossein

Einige Regimekritiker verbrachten das iranische Neujahr vor dem berüchtigten Teheraner "Evin" Gefängnis. Foto: www.kalameh.com

Einige Regimekritiker verbrachten das iranische Neujahr vor dem berüchtigten Teheraner "Evin" Gefängnis. Foto: www.kalameh.com

Moussawi und seine Frau Zahra Rahnavard ebenso wie Mehdi Karroubi stehen seit mehr als einem Jahr unter Hausarrest. Politische Beobachter sehen als Grund für die erneute Video-Veröffentlichung die fehlende Möglichkeit der Oppositionsführer,  aus ihrem Hausarrest heraus eine aktuelle Ansprache zu machen. Ein Grund sei aber auch, dass sich in den vergangenen zwei Jahren nichts verändert habe.

Karroubi: „Die iranische Bevölkerung hat viele Schmerzen erfahren“

So kündigte Mehdi Karroubi in seiner Video-Botschaft vor zwei Jahren an, das vergangene Jahr sei kein gutes Jahr gewesen. „Die iranische Bevölkerung musste am eigenen Leib sowohl viele wirtschaftliche Probleme wie die Inflation, aber auch andere Schmerzen erfahren.“ Dabei kritisierte Karroubi auch Khamenei wegen seiner Aussage, alle müssten sich im gleichen „Boot des Staatssystems“ aufhalten. “Wenn das Staatssystem nur aus einer bestimmten Gruppe besteht, die so klein ist, dass sie selbst in ein Boot hinein passt, dann bin ich absolut dagegen. Im Gegenteil finde ich, dass die islamische Republik eine vielfältige Republik ist, die in der Lage ist, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen gleichermaßen Raum zu gewähren “, sagte Karroubi.

Moussawi: „Der Kampf um die zivilen Rechte wird fortgesetzt“

Mir Hossein Moussawi  betonte per Video-Botschaft vor zwei Jahren, dass der Kampf um die zivilen Rechte auch im neuen Jahr fortgesetzt werde, denn ein Aufgeben würde für das Volk bedeuten, den Islam und die Märtyrer zu verraten. Moussawi sagte damals: “Meine Neujahrsgrüße gehen auch an die Iraner, die im Ausland leben. Diese Zusammengehörigkeit ist eine Besonderheit der Grünen Bewegung. Daher haben sich auch in der Ferne Iraner dieser Bewegung angeschlossen, zeigen sich der iranischen islamischen Identität verbunden und setzen sich für die Weiterentwicklung ihres Landes ein.  Angesichts dieser Tatsache müssen wir verstärkt unsere Aktivitäten landesweit auch in den Provinzen vorantreiben.“ Dabei warnte Moussawi die Machthaber davor, den Forderungen der Bevölkerung den Rücken zuzukehren anstatt an ihre Kraft und ihren guten Willen für eine bessere Zukunft zu glauben.

Rahnavard: „Im neuen Jahr soll die Freiheit zurückkehren“

Zahra Rahnavard, iranische Aktivistin und Ehefrau des Oppositionsführers Mir Hossein Moussawi, betonte in ihrer Neujahrsbotschaft vor zwei Jahren, die Grüne Bewegung stehe für Wandel und  Freiheit: “Wir wollen, dass im kommenden Jahr die Freiheit in unser Land zurückkehrt. Wir fordern die Wiedereinführung moderner ziviler Rechte in unserem Land, die die Menschen sich jahrzehntelang erkämpft hatten. Wir fordern die Beendigung jeglicher Frauendiskriminierung in unserer Gesellschaft und ebenso die Beseitigung ökonomischer, kultureller und politischer Benachteiligungen.“

Obama: „Zensur verhindert Austausch mit den Iranern“

Der US-amerikanische Präsident Barack Obama sagte in seiner Videobotschaft zum Neujahrsfest der iranischen Bevölkerung: “Es gibt keinen Grund dafür, dass die beiden Länder Iran und USA in einer Distanz zueinander stehen müssen.“ Obama ehrte die iranischen Migranten in den USA, die durch ihr aktives Mitwirken die US-Gesellschaft ein Stück weit bereichert hätten. Als Erfolg für das iranische Volk bezeichnete Obama die diesjährige Oscar-Verleihung. Dabei wurde der iranische Regisseur Asghar Farhadi für seinen Film „Nader und Simin – eine Trennung“ mit dem Oscar als „bester ausländischer Film“ ausgezeichnet. In seiner Neujahrsbotschaft kritisierte Obama aber die iranische Regierung wegen bestehender Internetsperren. „Es ist, als habe der Staat einen elektronischen Vorhang um seine Bevölkerung gewickelt“, sagte Obama. „Durch die Zensur wird nicht nur die iranische Bevölkerung von der Außenwelt abgeschnitten, sondern auch der Welt wird die Möglichkeit genommen, sich in vielerlei Hinsicht mit den Menschen im Iran auszutauschen.“  Dabei versprach Obama dem iranischen Volk, in naher Zukunft neue technische Hilfsmittel anzubieten, um der staatlichen Internet-Zensur entkommen zu können.

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