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Iran - USASturm vor der Ruhe?

Völlig überraschend hat US-Präsident Donald Trump verkündet, er sei zu einem Treffen mit dem iranischen Staatspräsidenten Hassan Rouhani bereit – sogar „ohne Vorbedingungen“, so Trump bei einer Pressekonferenz mit dem italienischen Regierungschef Giuseppe Conte. Sollte ihm dabei Nordkorea als Blaupause gedient haben, täusche er sich gewaltig, schreibt der Iran- und Nahostexperte Ali Sadrzadeh in seinem Kommentar für das Iran Journal. mehr »

Die Sprache gibt nicht mehr her. Der Wortschatz ist erschöpft. Härter und beleidigender können sich der Iran und die USA nicht mehr beschimpfen und bedrohen. Was kommt nach dem verbalen Krieg? Ist ein realer Krieg unvermeidbar? Oder gibt es eine Möglichkeit zur Umkehr – und wenn ja, wie?

Nicht reformierbar

Die Islamische Republik sei kein Staat, keine normale Regierung, sondern ein mafioses Unternehmen, sagte Mike Pompeo Ende Juli in Los Angeles. Dort hatte der US-Außenminister eine Gruppe iranischer Oppositioneller um sich geschart, um ihnen zu erklären, wie sich die Iran-Politik der Trump-Administration von der der Obama-Regierung unterscheide. Das iranische Regime sei nicht reformierbar: Daran ließ Pompeo keinen Zweifel. Trotz des eklatant aggressiven Verhaltens des Regimes hätten die USA und andere Länder seit Jahren angestrengt versucht, im Iran einen gemäßigten Politiker ausfindig zu machen, berichtete Pompeo seinem iranischen Publikum und fügte dann unter dem Gelächter der Anwesenden hinzu: “Es ist aber wie die Suche nach einem iranischen Einhorn.“ Ergo müsse das Regime in seiner jetzigen Form verschwinden, so verstanden es jedenfalls alle, die dem US-Außenminister lauschten.

Wie die letzten Monate Saddam Husseins

All das kommt einem irgendwie bekannt vor. Man erinnert sich zwangsläufig an den Irak in den letzten Monaten der Herrschaft von Saddam Hussein. Es ist zwar fast 15 Jahre her, doch die Parallelen sind frappierend. Auch damals gab es zunächst eine weltweit koordinierte Propaganda gegen das Regime in Bagdad, dann folgten Konferenzen der irakischen Auslandsopposition mit US-Politikern als Hauptredner. Aus diesen Konferenzen mauserte sich plötzlich der irakische Oppositionelle Ahmad Dschalabi heraus, der nach dem Krieg Saddam beerben sollte – und so geschah es dann auch.

Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei und seine treuen Kommandanten der Revolutionsgarde bestimmen den außenpolitischen Kurs des Iran (in der Mitte General Qasem Soleymani)

Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei und seine treuen Kommandanten der Revolutionsgarde bestimmen den außenpolitischen Kurs des Iran (in der Mitte General Qasem Soleymani)

 

Rouhani wird zum Hardliner

Frappierend auch, dass der iranische Präsident heute – wie damals Saddam Hussein – von der „Mutter aller Kriege“ spricht, sollten die USA den Iran angreifen.

Vor zwei Wochen hatte Hassan Rouhani bei einem Besuch in der Schweiz den USA gedroht: Sie sollten wissen, wenn der Iran sein Erdöl nicht verkaufen dürfe, werde niemand in der Region sein Öl exportieren können. Nach diesen Worten aus dem Munde eines angeblich gemäßigten Präsidenten spekulierte sofort die ganze Welt, der Iran wolle die Meerenge von Hormus im persischen Golf blockieren.

Wie üblich antwortete Trump per Twitter, diesmal aber in Großbuchstaben: „Bedrohen Sie nie wieder die USA oder Sie werden Konsequenzen von einer Art zu spüren bekommen, wie sie wenige zuvor in der Geschichte erleiden mussten.“

Der Schwanz des Löwen

Rouhani ließ sich zunächst drei Tage Zeit. Auf einer Versammlung mit allen Botschaftern des Iran in der ganzen Welt antwortete er dann herablassend: „Spiele nicht mit dem Schwanz des Löwen. Es gibt nicht nur die Meerenge von Hormus, in der Welt gibt es zahlreiche ähnliche Engen.“

Zufall oder nicht – als einen Tag später die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen zwei saudische Öltanker in der Meerenge von Bab al Mandab im Roten Meer angriffen, wusste jeder: Es gibt tatsächlich genug und unterschiedliche „Engen“ in dieser Welt, wo der iranische Einfluss unübersehbar ist. Durch „das Tor der Tränen“ – wie Bab al Mandab auf Arabisch heißt – fließt seitdem kein saudisches Öl mehr.

Den Worten des Präsidenten folgten dann die professioneller Scharfmacher mit beleidigenderen Schimpf- und Schmähtiraden Richtung USA. „Hast Du vergessen, dass deine Soldaten im Irak aus Angst vor uns Windeln tragen mussten?“, rief Qasem Soleymani, Kommandant der Spezialtruppen der Revolutionsgarde im Ausland – der Quds-Brigaden – Donald Trump zu.

Sprachlich ist man damit jetzt praktisch am Ende. Man hat sich alles an den Kopf geworfen. Was nun?

Folgen Worten jetzt Taten?
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