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Preisgekrönter Kopf sorgt für heiße Debatte

Die Auszeichnung der aus dem Iran stammenden Mathematikerin Maryam Mirzakhani mit einem international hoch begehrten Preis gehört seit Tagen zu den Topthemen der iranischen Medien und der persischsprachigen Internetgemeinde. Die Wissenschaftlerin wird von vielen gelobt, aber wegen ihrer äußeren Erscheinung auch getadelt: Sie trägt kein Kopftuch.

Am Mittwoch erhielt die aus dem Iran stammende Mathematikerin Maryam Mirzakhani die Fields-Medaille, eine der höchsten Auszeichnungen in der Mathematik. Mirzakhani wurde für ihre „herausragenden Beiträge“ zur Dynamik und Geometrie geehrt. Viele iranische Internet-User äußern Respekt und Stolz über die Wissenschaftlerin, die als erste Frau in der fast achtzigjährigen Geschichte des international hoch angesehenen Preises ausgezeichnet wurde. Doch dafür, dass sie bei der Preisverleihung durch die „Internationale Mathemathische Union“ in Seoul ohne Kopftuch erschien, erntet die 36-Jährige auch Kritik von orthodoxen Islamisten im Iran. Gegner der Zwangsverschleierung dagegen loben die Mathematikerin dafür.

Mirzakhani stammt zwar aus dem Iran und hat auch dort studiert, nach dem Studium emigrierte sie jedoch in die USA. Sie lehrt und forscht derzeit an der Stanford University in Kalifornien. Die Teheraner Tageszeitung Shargh hatte ihren Bericht über die Mathematikerin mit einem Foto versehen, auf dem Mirzakhanis Haare nicht bedeckt sind. Die meisten anderen Zeitungen dagegen zeigten Fotos, auf denen sie mit Kopftuch zu sehen ist. Sie stammen vermutlich aus der Zeit vor ihrer Auswanderung.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hängte seinem Glückwunsch-Tweet an die Mathematikerin gleich zwei Fotos an: eins mit Kopftuch und eins ohne. Viele IranerInnen sehen darin ein Zeichen dafür, dass ihm der wissenschaftliche Erfolg wichtiger ist als die äußere Erscheinung der Wissenschaftlerin.

Die Auswanderung hochqualifizierter AkademikerInnen ist ein Problem für die Islamische Republik. Jährlich verlassen Dutzende gut ausgebildete HochschulabsolventInnen das Land. Die meisten von ihnen werden von den USA und Kanada aufgenommen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds kostet die Intelligenzflucht den Iran jährlich etwa 37,4 Milliarden Euro. (fp)