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Neues Schuljahr, alte Probleme

Offiziellen Angaben zufolge wurden zum neuen Schuljahr im Iran, das landesweit am heutigen Montag beginnt, mindestens 147.000 Kinder nicht zum Schulbesuch angemeldet. Die meisten diese Kinder stammen demnach aus ärmeren Schichten und müssen, statt die Schule zu besuchen, arbeiten, um ihre Familie zu unterstützen.

Das Forschungszentrum des iranischen Parlaments geht sogar von etwa zwölf Mal höheren Zahlen aus. Laut einer Studie des Forschungszentrums besuchten im Jahr 2016 2,4 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 19 Jahren nicht die Schule. 60 Prozent davon waren zwischen 6 und 11 Jahre alt. Da in den vergangenen drei Jahren durch demografischen Wandel die Zahl der unter 18-Jährigen gesunken ist, könne man in diesem Jahr von 1,7 Millionen Kindern, die nicht zur Schule gehen, ausgehen.

Im Iran gibt es keine Schulpflicht. Laut einer Studie der staatlichen Organisation zur Bekämpfung des Analphabetismus können 8,8 Millionen Menschen im Iran weder lesen noch schreiben. Demnach sind etwa sechs Millionen der Analphabet*innen älter als 50 Jahre. Zudem gibt es zehn Millionen sogenannte funktionale Analphabeten, die zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben können, jedoch Mühe haben, längere Texte zu verstehen. Experten vermuten, dass etwa die Hälfte der lese- und schreibunkundigen Iraner*innen Frauen sind. Armut, Zwangs- und Kinderehen, traditionelle Familienverhältnisse und weite Schulwege werden als Hauptursachen genannt.

Zu Beginn des neuen Schuljahrs befinden sich zudem nach wie vor etwa 13 Lehrer*innen in Haft. Sie hatten gegen Missstände im Bildungsmanagement, willkürliche Entgelt-Eingruppierungen, niedrige Gehälter und Repressalien gegen Lehrer*innen protestiert.

(fh)