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IranerInnen loben Rouhanis Tweet

Irans Präsident Hassan Rouhani erntet Lob von iranischen Internet-NutzerInnen. Der Grund: seine Grüße anlässlich des jüdischen Neujahrs. Ebenfalls ein Web-Hot-Topic: die Solidaritätswelle für die Fußballerin Niloufar Ardalan. mehr »

Der iranische Präsident Hassan Rouhani gratulierte erneut den Juden zu ihrem Neujahrsfest. „L’Shanah Tovah“, schrieb er auf Twitter. Er hoffe, dass „die gemeinsamen abrahamitischen Wurzeln“ den Respekt vertiefen und zu „Frieden und Toleranz“ führen würden. Sein Tweet rief in der vergangenen Woche unter den iranischen Web-User gemischte Reaktionen hervor. Die überwiegende Mehrheit der Internet-NutzerInnen lobte den Regierungschef aber.

„Solche Tweets bestärken mich in meiner Überzeugung, dass es eine gute Entscheidung war, bei den letzten Präsidentschaftswahlen Rouhani gewählt zu haben“, schreibt Behrooz unter einem Beitrag des Nachrichtenportals Fararu. „Ich freue mich über Rouhanis Gratulation. Die Juden sind ein beeindruckendes Volk“, schreibt Farzad auf Parsine. Dem Präsidenten gebühre Respekt dafür, dass er sich im Gegensatz zu den konservativen Hardlinern im Iran „menschenfreundlich“ äußere, so ein anonymer User des Webportals. „Bravo Rouhani, dass du trotz der Feindschaft zu Israel dem jüdischen Volk gratulierst. Das Judentum ist eine Religion Gottes“, schreibt wiederum Soleyman auf der Facebookseite von Deutsche Welle Farsi. „Toll, dass er im Gegensatz zu Mahmud Ahmadinedschad und Ali Khamenei für positive Schlagzeilen sorgt und unser Land mit seinen Äußerungen nicht permanent blamiert“, findet ein Besucher der Webseite Iranian UK.

„L’Shanah Tovah“

Schätzungsweise leben 30.000 Juden im Iran (Foto: Die Synagoge im dem Teheraner Stadtteil Yousef Abad)

Schätzungsweise leben 30.000 Juden im Iran (Foto: Die Synagoge im dem Teheraner Stadtteil Yousef Abad)

Viele IranerInnen schließen sich Rouhanis Neujahrsgruß an: „L‘Shanah Tovah, die überwiegende Mehrheit der IranerInnen hat kein Problem mit dem jüdischen Volk. Leider schürt jedoch sowohl im Iran als auch in Israel eine kleine, aber mächtige extremistische Minderheit ständig Hass“, schreibt beispielsweise Reza auf Radio Farda.

„Frohes neues Jahr. Mögen unsere Völker sich bald wieder annähern“, so Mitra auf Deutsche Welle Farsi. „Eines Tages werden wir hoffentlich in Jerusalem und Teheran an unseren Feiertagen gemeinsam anstoßen können“, schreibt wiederum Ehsan. Und auch iranische Juden melden sich zu Wort: „Ich möchte mich beim Präsidenten und allen IranerInnen für die freundlichen Worte bedanken“, schreibt Shahab auf Radio Farda.

Widersprüchliche Signale aus Teheran?

Weniger freundliche Worte findet dagegen der Iranian UK-Besucher Boozarjomehr: Rouhani solle mit seinen „Tricks“ da bleiben, „wo der Pfeffer wächst.“ Mit seinem Tweet wolle der Präsident den Menschen lediglich „vorgaukeln“, dass er die religiösen Minderheiten respektiere. „Er schreibt solche Dinge nur, um wiedergewählt zu werden“, glaubt Boozarjomehr.

Andere IranerInnen wundern sich über die vermeintlich widersprüchlichen Signale aus Teheran. In einem Twitter-Account, das dem geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei zugeschrieben wird, wird Israel mit der Auslöschung gedroht. Das ist schon sehr seltsam“, findet Holo. „Herr Rouhani, die Juden brauchen Ihre Neujahrsgrüße nicht. Sorgen Sie lieber für Klarheit. Sollen wir Ihre Rhetorik ernst nehmen oder die des geistlichen Führers?“, fragt Jamshid auf Radio Farda.

„Das Problem ist, dass viele hier die Begriffe Israel und Judentum synonym verwenden“: Man könne in Gegnerschaft zu Israel stehen, aber sehr wohl Juden gegenüber freundlich gesinnt sein, möchte Parsa auf Iranian UK klarstellen. Deshalb erkenne er keinen Widerspruch in den Aussagen Rouhanis und Chameneis.

Solidarität mit Fußballspielerin

Niloufar Ardalan

Niloufar Ardalan

Ein weiteres heiß diskutiertes Thema unter iranischen Web-UserInnen ist die Meldung von der Weigerung des Ehemannes der Fußballnationalspielerin Niloofar Ardalan, seine Frau zu einem Hallenturnier in Malaysia ausreisen zu lassen. Wie Ardalan iranischen Medien mitteilte, habe ihr Ehemann, der Sportjournalist Mehdi Tutunchi, ihr ihren Reisepass mit der Begründung weggenommen, dass ihr gemeinsamer Sohn während der Wettbewerbe eingeschult werde. Sie wünsche sich ein Gesetz für Sportlerinnen, „damit wir unsere Rechte in diesen Fragen verteidigen können“, wird die Sportlerin von der Nachrichtenagentur NASIM zitiert.
„Mir fehlen die Worte“, schreibt Narges auf Fararu. „Dass der Ehemann damit durchkommt, ist eine Schande.“ Dieser müsse sich „als Ehemann und Sportkommentator schämen“, dass er einer iranischen Sportlerin die Gelegenheit genommen habe, „ihre Nation im Ausland zu repräsentieren“, findet ein anonymer User des Nachrichtenportals Radio Zamaneh.

„Die Geschichte bricht mir das Herz. Aber Respekt, dass sie sich an die Öffentlichkeit gewandt und damit sowohl ein Zeichen für Frauenrechte gesetzt als auch ihren Mann vor den Augen der Welt blamiert hat“, schreibt ein User der Sportseite Tarafdari mit dem Pseudonym Doom68.
„Früher haben Frauen persische Streitmächte befehligt und nun das! Manchmal bleibt einem nichts anderes übrig als die Hände vor‘s Gesicht zu schlagen“, schreibt wiederum ein wütender User des Fußballportals PFDC mit dem Pseudonym EZLN.
Auch auf sozialen Medien solidarisieren sich viele IranerInnen mit Ardalan. So ruft etwa die Frauenrechtlerin Masieh Alinejad, Administratorin der Facebookseite My stealthy freedom, die BesucherInnen der Seite dazu auf, in ihren Beiträgen den #WeAreAllNiloufarArdalan zu verwenden, um so auf die Geschichte der Fußballerin aufmerksam zu machen. Auch auf Twitter solidarisieren sich zahlreiche Menschen weltweit unter #NiloufarArdalan mit der Spielführerin der iranischen Frauenfußballauswahl – bekannteste unter ihnen ist die Torhüterin des US-Teams Hope Solo: „Jedem sollte es erlaubt sein, sein Land zu repräsentieren“, schreibt sie. „Danke, Niloufar Ardalan, für deinen Kampf. Es wird mir eine Ehre sein, eines Tages gegen dich zu spielen.“
Ardalan scheint indes der Rummel um ihre Person zuviel geworden zu sein. Der Nachrichtenagentur NASIM sagte sie, das Thema sei ihre private Familienangelegenheit. Sie bedauere, dass „antirevolutionäre Medien“ ihren Fall für eigene Zwecke ausgenutzt hätten. Doch nicht wenige IranerInnen glauben, dass Ardalan diese Aussage unter Druck gemacht habe. „Wenn sie die Sache als eine private Familienangelegenheit angesehen hätte, hätte sie sie nicht selber publik gemacht. Ohne jeden Zweifel ist sie vom Regime gezwungen worden, zurückzurudern“, ist Fararu-Userin Yalda überzeugt.

  JASHAR ERFANIAN