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„Ich habe nichts gegen Religion“

Todesdrohung gegen Rapper: Nach der Todesfatwa eines Ayatollahs im Iran hat nun dieiranische  Webseite „Schia-Online“ ein Kopfgeld in Höhe von 100.000 Dollar für die Ermordung des Rappers Shahin Najafi erhoben. Seine Schuld: Er soll einen der schiitischen Imame beleidigt haben. Der Musiker weist diesen Vorwurf zurück. mehr »

Sein neues Album wird dem iranischen Rapper Shahin Najafi zum Verhängnis. Grund ist der Song „Naqi“, in dem der in Deutschland lebende Musiker den 10. Imam der Schiiten besingt. Der Text des Liedes regte konservative Schiiten im Iran so sehr auf, dass die  Webseite Schia-Online nun sogar eine Belohnung in Höhe von 100.000 Dollar für die Tötung des Musikers angeboten hat. Damit reagierten die Hardliner auf die Fatwa, in der der iranische Ayatollah Safi Golpayegani den Rapper der Apostasie – des Abfalls vom Glauben – beschuldigt hat: eine Tat, auf die im Iran die Todesstrafe steht. Najafis Fall erinnert an den des britischen Schriftstellers Salman Rushdie. Gegen ihn hatte der iranische Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini 1989 wegen seines Buches „Die satanischen Verse“ eine Todes-Fatwa ausgesprochen. Bis heute lebt der Schriftsteller deshalb versteckt. Der Deutschen Welle Farsi gab Shahin Najfai ein Interview zu seinem Song und den Drohungen:

DW: Herr Najafi, von welchen Themen handeln Ihre Songs?

Shahin Najafi: "Mit Beleidigung der Heiligen erreicht man doch nichts".

Shahin Najafi: "Durch Beleidigung kann man nicht zur Aufklärung beitragen".

Shahin Najafi: Die Motive für meine Songs sind meist tagesaktuelle Themen aus dem Iran, gesellschaftliche und politische wie Armut, Drogenproblematik, Frauendiskriminierung. Dabei geht es mir um Gleichberechtigung und Menschenrechte. Ich spiegele, was im Iran heute passiert. Wer meine Musik kennt, weiß, dass ich nichts gegen die Religion habe. Ich habe aber natürlich eine Meinung dazu, die ich, ohne jemanden beleidigen zu wollen, in meiner Musik äußere, manchmal mit Wut oder Trauer, manchmal auch mit Ironie. Aber das hat nichts mit Beleidigung oder Respektlosigkeit zu tun.

Haben Sie bei Ihrer Arbeit auch rote Linien, die Sie nicht überschreiten?

Solche roten Linien sind für mich etwa, wenn man Frauen nur als Sexobjekte behandelt oder wenn man für Drogen wirbt. Auch nationalistische Texte, mit denen man die Würde der Menschen verletzt.

Gibt es auch bei religiösen Themen Inhalte, die man besser nicht aufgreifen sollte?

Das ist für mich eine Frage des Umgangs mit dem Thema. Ich glaube, dass man durch Schimpfen und Beleidigungen nicht zur Aufklärung beitragen kann. Ich glaube persönlich an eine Arbeitsweise, die wie das Einführen von Spritzen funktioniert, das manchmal auch weh tun kann.

Ihr Song „Naqi“ hat für großen Aufruhr gesorgt. Normalerweise kritisieren Sie in Ihren Songs eher allgemeine gesellschaftliche Missstände. In diesem Lied aber haben Sie eine bestimmte Person zum Hauptmotiv gemacht.

Auch in diesem Werk kritisiere ich die Gesellschaft. Leider wird das von manchen ignoriert, die nur auf den Teil mit dem Imam fokussieren. Dabei kommt Imam Naqi gar nicht persönlich vor. Das Lied ist im Rahmen einer Song-Serie entstanden. Zuvor hatte ich in einem anderen Lied über den so genannten verborgenen zwölften Imam Mahdi gesungen, der als Retter der Gesellschaft bald erscheinen soll. Da er nicht gekommen ist, rufe ich in dem neuen Song den zehnten Imam Naqi auf. Nur in diesem Zusammenhang ist dessen Name also gefallen und hat weiter keine besondere Bedeutung.

Der Song – mit englischer Übersetzung:

Diverse iranische Internetportals haben die Fatwa von Ayatollah Safi Golpayegani veröffentlicht. Darin sagt er, es gleiche Apostasie, den Imam Naqi zu beleidigen. War Ihnen eigentlich klar, welche Folgen Ihr Lied hervorrufen könnte?

Ich hatte eher politische Reaktionen erwartet. Dass ich die Religiösen dadurch so kränken würde, hätte ich nicht gedacht. Hier wird der Glaube der Menschen missbraucht, um ihnen einzureden, ich hätte ihre Werte missachtet. Ich bezweifele, dass Ayatollah Safi Golpayegani die Todes-Fatwa gegen mich persönlich gerichtet hat. Ich kann mir das nicht vorstellen.

Wie werden Sie möglichen Gefährdungen künftig vorbeugen?

Ich habe einige Vorkehrungen getroffen, die ich nicht genauer erklären kann. Es ist klar, dass wir in einem sicheren Land leben. Ich will betonen, dass es nichts zu befürchten gibt. Einige meiner Landsleute wollen mich durch diese Aktion einschüchtern. Aber zum Glück läuft alles wie immer und ich werde meine Arbeit fortführen.

Haben Sie die deutsche Polizei informiert?

Wir haben alle, die es wissen sollten, benachrichtigt.

SA/JF/FP

Quelle: Deutsche Welle / Persian

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