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Deutsch-iranische BeziehungenSonne, Wind und Politik

Die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Iran sind vor allem im Bereich der Umwelttechnologien breit und vielfältig. Nach dem Atomdeal gab es viele neue Kontaktaufnahmen. Doch auch dieser Bereich möglicher Zusammenarbeit ist nicht unbelastet von Politik.  mehr »

 Einige Monate nach der Unterzeichnung des Atomabkommens, im Februar 2016, hatte der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth den Iran besucht. Während seines Aufenthalts in Teheran sagte er, dass die Bundesregierung dem Iran helfen wolle, zentrale Umweltprobleme wie Wassermangel und Luftbelastung besser zu bewältigen. Im Hinblick auf das Pariser Weltklimaabkommen sagte Flasbarth, Deutschland und der Iran wollten beim Klima- und Umweltschutz noch stärker zusammenarbeiten. Flasbarth unterzeichnete während seines Besuches eine gemeinsame Absichtserklärung zur verstärkten Kooperation bei der Umstellung auf eine kohlenstoffärmere Wirtschaftsweise.

Auch private deutsche Umweltunternehmen nahmen Kontakt zu staatlichen iranischen Institutionen auf. Laut dem Internationalen Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) engagiert sich etwa der hessische Windenergie-Projektentwickler Abo Wind im Iran. Abo Wind hat bereits 2016 ein Büro in Teheran eröffnet. Im Januar 2017 schaute sich eine 20-köpfige Delegation aus dem Iran ein Windenergieprojekt von Abo Wind in Deutschland an. Bis 2018 wollte der Iran laut Abo Wind Windparks mit einer Leistung von 4.500 Megawatt und Solarparks mit 500 Megawatt ans Netz bringen

Ein Heidelberger Solarinvestor stellte Solarkraftwerke im Iran fertig. Die Athos Solar GmbH aus Heidelberg hat als erster internationaler Investor zwei leistungsstarke Freiland-Photovoltaikanlagen im Iran installiert und in Betrieb genommen. Die Anlagen in der Provinz Hamedan nahe der Hauptstadt Teheran sind mit einer Fläche von je zehn Hektar die ersten ihrer Größe im Iran und haben eine Gesamtleistung von 14 Megawatt.

Seit 2002 arbeitet das Wuppertal Institut in deutsch-iranischen Kooperationsprojekten, die den Weg zu einem nachhaltigen Energiesystem im Iran erforschen. Am Beispiel solarer Technologien zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung wurden Ansatzpunkte für den Einsatz erneuerbarer Energien und Energieeffizienz-Technologien in Iran untersucht. Dieses Projekt wurde vom Wuppertal Institut in Kooperation mit dem „Centre for Environment and Energy Research and Studies“ (CEERS) in Teheran in Angriff genommen. Das Wuppertal Institut ist eine gemeinnützige GmbH, die 1991 von Ernst Ulrich von Weizsäcker gegründet wurde.

Im Oktober 2017 erklärte Skywind als erster deutscher Windturbinenhersteller, dass „im kommenden Jahr dank eines Joint-Ventures zwei Pilotanlagen im Iran errichtet werden“. „Wir haben uns in einer internationalen Ausschreibung durchgesetzt und können im nächsten Jahr zwei unserer Anlagen im Land errichten“, so die Skywind-Geschäftsführer.

Im März 2017 berichtete die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, die Germany Trade & Invest GTAI, dass sich der erste deutsch-iranische Windpark im Bau befinde. Dieses Projekt sollte in der Freizone Arvand in der Provinz Khuzestan mit geplanten 48 Megawatt realisiert werden. Auf deutscher Seite ist unter anderem ein in Sachsen ansässiger Projektentwickler, die zur 3Energy-Gruppe gehörende eab New Energy GmbH, beteiligt.

Die deutsche Tageszeitung Welt berichtete im November 2016, dass die iranische Fabrik „Mapna Generator Engineering & Manufacturing“ in Zusammenarbeit mit der Firma Aerodyn aus Rendsburg Windturbinen baue. Eine 60-köpfige Wirtschaftsdelegation begleitet vom damaligen schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister und dem Hamburger Wirtschaftssenator besuchte im November 2016 die Fabrik in der Nähe von Teheran. Mapna, schrieb die Welt, fertige alles selbst, Rotorwellen, Maschinenhäuser, Elektronik für die Steuerung und Rotorblätter für den Antrieb der Windkraftwerke.

Mit Sicherheit gibt es noch viele andere Projekte im Bereich erneuerbare Energien, Wasseraufbereitung, Reduzierung der Luftverschmutzung und so fort, an denen deutsche Firmen mitwirken. Es ist jedoch zu früh, über die Realisierung dieser angekündigten oder bereits begonnenen Projekte zuverlässige Daten zu erhalten.

Im Iran gibt es mehr als 4 Millionen Studierende

Im Iran gibt es mehr als 4 Millionen Studierende

 

Akademische Bildung im Iran

Die iranische Bevölkerung ist jung und die Bereitschaft, sich für einen sozialen Aufstieg durch akademische Bildung anzustrengen, ist hoch. Der Iran hat nach unterschiedlichen Statistiken zwischen 2.569 und 2.768 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen und belegt damit weltweit Platz 2 nach den USA. Die meisten dieser Lehranstalten sind privat. Auch die Zahl der Studierenden wird unterschiedlich mit 3,8 bis über 4,7 Millionen angegeben. In einer Länderanalyse des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD beträgt die Zahl der an iranischen Hochschule eingeschriebenen StudentInnen 4.685.386. Sorena Sattari, der Stellvertreter des Staatspräsidenten für Wissenschaft, Forschung und Technologie im Iran, sprach im Sommer 2018 von über 4,5 Millionen Studierenden.

Laut DAAD lag der Frauenanteil unter den iranischen Studierenden 2014 bei 47,26 Prozent. In Deutschland waren es zu gleichen Zeit 47,8 Prozent. Knapp die Hälfte der iranischen Immatrikulierten studieren geisteswissenschaftliche Fächer, mehr als 30 Prozent Ingenieurwissenschaften. Kunst, Naturwissenschaften, Medizin, Agrarwissenschaften und Tiermedizin sind weitere Fächer mit hohen Studierendenzahlen.

Die von den Mittlerorganisationen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik 2015 durchgeführte Datenerhebung gibt für den Iran 12.300 Deutschlernende an, die zum größten Teil im Goethe-Institut unterrichtet werden. An den zentralen Prüfungen des Goethe-Instituts nahmen 2017 über 16.000 Sprachlernende teil. Darüberhinaus ist Deutschland in Teheran mit einem botschaftseigenen Deutschen Sprachinstitut (DSIT), der Deutschen Botschaftsschule Teheran, vertreten. Fünf iranische Universitäten bieten Studiengänge in Germanistik oder Deutsch als Fremdsprache an.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit
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