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Die Beziehung zwischen dem Iran und der DDRKeine Liebesheirat

Von den ersten Annäherungsversuchen bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Iran und der Deutschen Demokratischen Republik DDR vergingen fast zwei Jahrzehnte. Die Beziehung war von Anfang an von Hürden und Problemen geplagt. mehr »

Die großen Projekte, die dem reichen Ölstaat Iran den Weg zur Industrienation ebnen sollten, bescherten den ausländischen Partnern lukrative Verträge. Die iranischen Öleinnahmen vervierfachten sich zwischen 1969 und 1971 und erreichten die Marke von 5 Milliarden Dollar, 1976 sogar 20 Milliarden Dollar.

Die Wirtschaftsbeziehungen des Iran zu den sozialistischen Staaten verbesserten sich dauernd. Diese konkurrierten mit den kapitalistischen Staaten um den Iran. Schah Mohammad-Reza Pahlevi war ein gern gesehener Gast. Je mehr sich der Iran allerdings der Islamischen Revolution von 1979 näherte, desto mehr distanzierten sich die westlichen Staaten von ihm. Zeitgleich nahmen die Einladungen aus sozialistischen Staaten zu. Der letzte Monarch des Iran reiste 1977 nach Polen und in die Tschechoslowakei, 1978 nach Rumänien und Bulgarien.

Und die Regierung der DDR bereitete sich auf einen Besuch des Königspaares im September desselben Jahres vor. Mit Blick auf diese Reise warnten die Sicherheitsbehörden der DDR von Anfang an vor Aktivitäten der CISNU und trafen umfangreiche Vorkehrungen. Die Besetzung der iranischen Botschaft in Ostberlin durch Aktivisten der CISNU führte dann erneut zu einer politischen Krise. Wenige Tage danach rief die iranische Regierung ihre Diplomaten aus der DDR zurück. Die iranische Industrie- und Handelskammer forderte den Abbruch der Handelsbeziehungen zur DDR.

Das  persischsprachige Buch "Die Jahre des Exils" von Ghasem Shafie ist die einzige ausführliche Publikation über die Aktivitäten der Tudeh-Partei in der DDR

Das persischsprachige Buch „Die Jahre des Exils“ von Ghasem Shafie ist die einzige ausführliche Publikation über die Aktivitäten der Tudeh-Partei in der DDR

Neue Gesprächsrunden sollten die Beziehungen wieder normalisieren. Die politischen Unruhen im Inland und der Druck der „einstigen Freunde“ aus dem Ausland nahmen jedoch der iranischen Regierung die gewohnte politische Handlungsfreiheit.

DDR-Außenminister Oskar Fischer reiste im April 1978 in den Iran und schaffte es, die Missstimmungen zu beseitigen. Aufgrund der zunehmenden politischen Unruhen im Iran kam es aber nicht mehr zu dem Besuch des Schahs in der DDR. Die Handelsbeziehungen jedoch dauerten an. Das Außenministerium der Deutschen Demokratischen Republik glaubte bis zum Schluss, dass der Schah das Blatt zu seinen Gunsten wenden könne. Sie betrachteten die Proteste sogar als Gelegenheit, sich beim Schah-Regime so viele Vorteile wie möglich zu verschaffen.

In einem heute im Bundesarchiv befindlichen Brief an den Wirtschaftsminister der DDR schreibt der Außenminister Fischer am 29. August 1978 an den Wirtschaftsminister der DDR, dass der Schah großem, politischem Druck ausgesetzt sei. Jegliche Andeutung, die ihm das Vertrauen signalisiere, zur Sicherung seiner Macht fähig zu sein, würde ihm gefallen. Aus diesem Grund, sei der Schah auch an einer langfristigen Beziehung interessiert, stellte der Außenminister fest.

Die iranische Revolution

Kurz darauf erfolgte im Februar 1979 jedoch die islamische Revolution. Mit ihr begann ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen dem Iran und der Deutschen Demokratischen Republik. Die Islamische Republik hatte sich von Beginn an die außenpolitische Parole zu eigen gemacht: „Weder westlich noch östlich, sondern Islamische Republik.“ Daher kam es zu einem Einschnitt in den Beziehungen der beiden Länder.

Teheran reagierte auf die Interessenbekundungen Ostberlins zum Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen zunächst nicht. Doch mit dem Beginn des Irak-Iran-Krieges (1980 – 1988) änderte sich die Situation. Die abenteuerliche Politik des irakischen Diktators Saddam Hussein, das Hineinziehen des Iran in einen verheerenden Krieg und die US-amerikanische Unterstützung für den Irak führten dazu, dass der Iran sich zwecks Waffenkaufs den Ländern des Ostblocks zuwandte. So nahm der Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen zu den sozialistischen Staaten Fahrt auf.

Der Anteil dieser Länder am iranischen Außenhandel, der vor der Revolution nur 5 Prozent betragen hatte, stieg bis 1983 auf 15 Prozent.

Die DDR gehört zu den Ländern, die durch den Verkauf von Waffen an beide kriegsführenden Parteien einen enormen Gewinn erzielten. Das Export-Volumen der DDR in den Iran stieg von 113,7 Millionen Ostmark im Jahr 1978 auf 571 Millionen im Jahr 1983**.♦

* Ghasem Shafie ist einer der wenigen Iraner, die sich mit den Beziehungen zwischen dem Iran und der DDR beschäftigt haben. Er hat diesbezüglich zwei Bücher in persischer Sprache verfasst: „Die Jahre des Exils“ und „Spionage in der Partei.  

** Die Dokumente der Beziehungen zwischen dem Iran und der DDR befinden sich im Archiv des Außenministeriums. Sie unterliegen in der Regel einer 30-jährigen Sperre. Zum Zeitpunkt der Recherche für diesen Text konnte der Autor in die Dokumente bis 1983 Einsicht nehmen.

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