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Lizenz zur Zerstörung iranischer Natur

Die iranische Umweltschutzbehörde gefährdet mit ihren Entscheidungen die ökologischen Schutzräume des Landes. Sie werden als Jagd- und Touristengebiete oder zur Ölförderung freigegeben – wie kürzlich die Halbinseln Miankaleh am Kaspischen Meer und das Schutzgebiet Bahram Gur. mehr »

Miankaleh, die Halbinsel im äußersten Südosten des Kaspischen Meeres im Norden Irans, ist nicht nur die Heimat vieler einzigartiger kaspischer Vogel- und Reptilienarten. Die 48 Kilometer lange und zwischen 1.300 und 3.200 Metern breite Landzunge zählt überdies zu den reichsten ökologischen Oasen Westasiens. Noch dazu ist sie ein bedeutendes und international anerkanntes Refugium für Zugvögel. Und ab dem 20. März 2012 sollte die Miankaleh-Halbinsel planungsgemäß zur neuen Heimat sibirischer Tiger werden. Gerade diesen Plan hatten die iranischen Umweltschutzbehörden immer wieder als einen der Gründe für den Schutz dieses Gebiets angeführt. Doch nun gewannen die Befürworter des Baus einer Öl-Raffinerie in der Natur-Oase. Wie die Zeitung „Teheran Today“ berichtet, hat die iranische Umweltschutzbehörde die Übertragung eines Teils des Gebiets an einen privaten Investor und den Bau von Öl-Raffinerien in Miankaleh genehmigt. Damit steht die Zerstörung einer der wichtigsten Lagunen des Landes bevor, die Heimat von jährlich fast einer Million unterschiedlicher Zugvögel aus aller Welt ist.

Widersprüchliche Angaben

Miankaleh ist die Heimat von jährlich fast einer Million unterschiedlicher Zugvögel aus aller Welt ist. Foto: www.arw.ir.

Miankaleh ist die Heimat von jährlich fast einer Million unterschiedlicher Zugvögel aus aller Welt ist. Foto: www.arw.ir.

Als iranische Umweltschützer die Übertragung von Umweltschutzgebieten an die Privatwirtschaft kritisiert hatten, hatte der Leiter der iranischen Umweltschutzorganisation, Mohammad Javad Mohammadizadeh, jede Art von Vergabe von ökologischen Flächen dieses Gebiets noch dementiert: Er werde die Bedrohung und Zerstörung der Feuchtbiotope und Lebensräume nicht zulassen, so Mohammadizadeh. Doch das Gegenteil geschah. Kurz darauf teilte Mohammadizadeh mit, dass sich die Umweltschutzbehörde für die der Errichtung einer Raffinerie in diesem Gebiet entschieden habe – selbstverständlich unter Einhaltung von Umweltstandards, betonte Mohammadizadeh.

Damit ist innerhalb der vergangenen zwei Jahre erneut eins von vielen Projekten bewilligt worden, die durch die früheren Leiter und Manager der Umweltschutzbehörde aus Gründen mangelnden Umweltschutzes abgelehnt worden waren. In diesem Rahmen wurde auch die Insel Ashuradeh, die am östlichen Ende der Miankaleh-Halbinsel liegt, an einen Investor vergeben, der sie in ein touristisches Zentrum umwandeln will. Umweltexperten, unter anderem der stellvertretender Leiter der Abteilung für Naturschutzgebiete der Umweltschutzbehörde, Delavar Najafi, sind der Meinung, mit der Vergabe der Ashuradeh-Insel und dem Bau der Raffinerie auf Miankaleh würden diese Gebiete für immer zerstört.

Freizeitressorts in Naturschutzgebieten

Das wäre nicht das erste Mal, dass staatliche Entscheidungen zu Bedrohungen der Umwelt des Landes führen. Am 12. Februar 2012 berichteten iranische Medien, die Umweltschutzbehörde habe einem arabischen Investor eine Lizenz für die Aufzucht der Kragentrappe (eine Vogelart) in dem 100 Hektar großen Schutzgebiet Bahram Gur erteilt. Die gezüchteten Vögel sollen dann freigelassen und 3.000 Hektar des Schutzgebiets zur Jagdzone erklärt werden. Außerdem plant der besagte Investor auf diesem Gebiet den Bau eines Freizeitressorts sowie von Wohnungen.

Foto:  www.bioyazd.blogfa.com

Die Kragentrappe (Chlamydotis undulata), auch Saharakragentrappe genannt, ist in Europa ein sehr seltener Irrgast, der vor allem in Italien gelegentlich beobachtet wird. Foto: www.bioyazd.blogfa.com.

Bahram Gur ist der Lebensraum der iranischen Geparde. Der arabische Investor beabsichtigt jedoch, das Schutzgebiet für Tourismus- und Jagdzwecke zu nutzen. Laut dem Online-Magazin Grün Press will der Investor in den nächsten fünf bis zehn Jahren 500 Millionen Dollar in das Projekt stecken. Auch dieses Projekt wird von Mohammad Javad Mohammadizadeh, dem Leiter der Umweltschutzbehörde, bestritten. Der Umweltexperte Dr. Esmail Kahrom berichtet jedoch in Teheran Today, „Scheichs vom Persischen Golf“ hätten der Umweltschutzbehörde „ein paar Autos geschenkt“ und im Gegenzug dafür „die Jagdlizenz für die vom Aussterben bedrohte Vogelart erhalten“. Die Nachricht über die Erteilung der Lizenz erfolgte eine Woche nachdem Mohammadizadeh mitgeteilt hatte, die Umweltschutzbehörde werde keine Genehmigungen für die Aufzucht von Kraggentrappen an Ausländer erteilen.

Zuvor hatte der Leiter der Tourismus- und Transportkommission der Handelskammer der Region Kerman, Seyyed Mohammad Ibrahim Alavi, in einem Interview mit der iranischen Zeitung Hamshahri erklärt, die Durchführung dieses Projekts sei „sehr vorteilhaft“ und es entstünden dadurch neue Arbeitsplätze für die Region. Dazu könne ein Teil der Brutvögel geschlachtet und das begehrte Fleisch im In- und Ausland verkauft werden. Die Hobbyjäger seien bereit, für einen sieben- bis zehntägigen Aufenthalt in den Bergen inklusive Jagd 5.000 bis 10.000 Dollar zu zahlen, wodurch sich ein gutes Einkommen für den Haushalt des Landes ergebe. So könne man gleichzeitig den Ansprüchen der Hobbyjäger gerecht werden, den Umweltschutz des Landes fördern und dabei auch noch Arbeitsplätze schaffen, so Alavi.

Bislang galt das Naturschutzgebiet Bahram Gur als eines der wichtigsten des Landes. In seine Erhaltung wurde viel Geld investiert.

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