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Eine existenzielle Debatte der Exil-IranerWie hältst Du es mit Donald Trump?

US-Präsident Donald Trump ist kein einfacher Mensch. Vor allem für die iranische Opposition nicht. Es gibt unversöhnliche Gegner der Machthaber in Teheran, die diese mit allen Mitteln zu Fall bringen wollen - wenn es sein muss, mit Hilfe von Trump, Saudi-Arabien, Israel oder wem auch immer. Doch es gibt auch Gegner, die ihre Zweifel haben. mehr »

Wolle das Land diesem Schicksal entgehen, müsse es zwölf Bedingungen erfüllen, sagte Pompeo und zählte diese eine nach der anderen auf: von der Einstellung des Raketenprogramms bis zum Ende der Unterstützung diverser militanter Gruppen im Nahen Osten, der Abzug aus Syrien gehörte ebenso dazu wie die Freilassung amerikanischer Gefangener. Niemals wieder werde das Regime in Teheran einen „Freifahrtschein erhalten, um den Nahen Osten zu dominieren“, so Pompeo wörtlich.

Dieser aggressive Ton überraschte Kenner des US-Außenministeriums ebenso wie ehemalige Militärs. Das Einzige, das Pompeo nicht vom Iran verlangt habe, sei eine Konversion zum Christentum, kommentierte tags darauf Jeremy Shapiro vom European Council on Foreign Relations gegenüber der Washington Post.

Ein Plan der Zerstörung

Pompeos Rede ist ein konkreter Plan für die Zerstörung der staatlichen Ordnung im Iran und schließlich einen Regime Change. Dass es danach einen Iran, wie wir ihn heute kennen, noch geben wird, ist höchst unwahrscheinlich. Trump und seine Entourage sind offenbar entschlossen, diese Politik unbeirrt fortzusetzen – koste es, was es wolle. Mit oder ohne Europa würden die USA mit ihrer Politik gegenüber dem Iran fortfahren, sagte Donald Trump am Samstag im kanadischen La Malbaie, kurz bevor er die G7-Konferenz vorzeitig verließ. Jedem halbwegs Informierten leuchtet dieser Tage ein, dass die USA etwas Großes mit dem Iran vorhaben.

Ardeshir Zahedi, der Greis aus dem schweizerischen Montreux, fürchtet einen Krieg, er glaubt, dem Iran stünde demnächst ein ähnliches Schicksal bevor wie dem Irak im Jahr 2003. Zahedi warnt davor, den Iran und den Irak miteinander zu verwechseln. Der Iran sei ein Land mit einer 3.000 Jahre alten Geschichte und territorialer Kontinuität, schreibt Zahedi, und fügt hinzu: „Mit einem Territorium von 636.000 Quadratmeilen und einer Bevölkerung von zweiundachtzig Millionen ist der Iran kein Irak. Der Iran wird einem ausländischen Militärangriff widerstehen können. Trotzdem sollten wir uns an den Fall Irak erinnern. Der Krieg basierte auf gefälschten Dokumenten und Lügen. Der Angriff hatte weder die Autorität der Moral noch die des Gesetzes. Das Ergebnis waren massiver Tod und Zerstörung. Hunderttausende von Unschuldigen starben und viele Millionen verloren vollständig ihre Zukunft. Und finanziell? Laut dem US-Präsidenten wurden sieben Milliarden Dollar verschwendet. Funktionieren die Gehirne im Außenministerium und bei der CIA noch?“, fragt der alte Diplomat.

Mit dem Putsch vom 19. August 1953 verwandelten sich die USA für alle demokratischen Kräfte des Iran in ein Sinnbild der Demokratiefeindlichkeit

Mit dem Putsch vom 19. August 1953 verwandelten sich die USA für alle demokratischen Kräfte des Iran in ein Sinnbild der Demokratiefeindlichkeit

 

Eine mediale Bombe

Dass es tatsächlich einen Krieg der USA gegen den Iran geben wird, scheint zwar derzeit nicht sehr wahrscheinlich. Doch der dramatische Appell Zahedis schlug im Iran ebenso wie in der Diaspora wie eine Bombe ein. Man müsse die Warnung des alten Mannes ernst nehmen, kommentierten manche, andere vermuteten zwielichtige Mächte hinter der Anzeige. Wird es einen Krieg geben und wenn ja, wann? Und was wird dann aus dem Iran werden?

Doch über all diesen Fragen steht unter den diskussionssüchtigen Iranern noch eine andere Glaubensfrage: Wie stehst Du zu Ardeshir Zahedi, dem Schwiegersohn des Schahs, dem Sinnbild dessen, das die untergegangene Dynastie ausgemacht hat? Was hältst Du von jemandem, der nun mit all seiner politischen Erfahrung und seinem familiären Gewicht für die Islamische Republik in die Bresche springt? Zahedi selbst sagt, er sei zwar auch gegen die Machthaber in Teheran, bleibe aber trotzdem Patriot und wisse, dass Trumps Politik zur Zerstörung des Iran führen werde.

Für oder wider Zahedi, für oder wider Trump, das ist die Frage, die dieser Tage in der iranischen Diaspora mit aller Vehemenz debattiert wird. Und in dieser verbalen Schlacht bringt jede Seite unzählige Argumente und historische Vergleiche vor. In einer BBC-Talkrunde über Zahedis Text verstieg sich ein Teilnehmer zu der Behauptung, Ali Khamenei, das religiöse Oberhaupt der islamischen Republik sei der Hitler unserer Tage, die iranische Opposition müsse sich deshalb so verhalten wie einst Charles du Gaulle, der vom britischen Exil aus gegen die Nazis in Frankreich kämpfte. Wenn es so einfach wäre mit den historischen Vergleichen.

Kronzeuge der Revolutionsgarden

Vergangenen Sonntag veröffentlichte die Zeitung Javan – das Organ der Revolutionsgarden, das in innen- und außenpolitischen Fragen äußerst radikale Positionen vertritt – ein langes Interview mit Ardeshir Zahedi.

Der Interviewer beschreibt zunächst seine Schwierigkeit, den alten Mann in Montreux telefonisch erreichen zu können. Schließlich erfährt er, dass Zahedi in einer Klinik sei. Trotzdem soll das Gespräch stattgefunden haben – ob das wahr ist oder „Fake News“, wissen wir nicht. Jedenfalls äußert sich in dem Interview ein alter Mann sehr patriotisch, er sieht sein Land in unmittelbarer Gefahr.

Doch allein dass eine Zeitung wie Javan sich genötigt sieht, Zahedi als Interviewpartner zu präsentieren, zeigt, wie realistisch auch die Revolutionsgarden die Gefahr einschätzen, welche Nervosität in der Teheraner Führung herrscht – und vor allem, welche Rolle dabei dem einstigen Schwiegersohn des Schahs zukommt.

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