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Iran vor der RevolutionsfeierEin zweites Syrien?

Waren die Unruhen im Iran vor vier Wochen nur Vorboten? Namhafte Soziologen und Politologen jedenfalls sagen ein großes soziales Erdbeben voraus. Und ein Mann der ersten Revolutionsstunde entschuldigt sich bei der Bevölkerung. mehr »

Das beste Beispiel für diesen Ideenreichtum, die Friedfertigkeit und Klugheit liefern einige Frauen, die seit Beginn der Unruhen vor vier Wochen auf ihre Art für die Aufhebung des Kleiderzwangs demonstrieren. Es sind junge Frauen, die ihre Kopftücher, meist in Weiß als Symbol des Friedens, in Fahnen verwandeln und diese an städtischen Hauptstraßen in die Luft halten.

Den Anfang machte eine 39-jährige Mutter in Teheran, ihr Bild ging um die Welt. Sie wurde zunächst verhaftet, aber drei Tage später freigelassen. Ihr folgten Dutzende junge Frauen in kleinen und großen iranischen Städten. Und als diese phantasievolle Aktion in den sozialen Medien großes Echo fand, schritten endlich die Sicherheitskräfte ein. Am Donnerstag nahm die Polizei 29 Frauen fest: weil sie mit einer vom Ausland gesteuerten Propagandaaktion beschwindelt worden seien, schrieb dazu die Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden gehört.

Auch Rouhani warnt vor einer Revolution

Die kritischen Stimmen könne man nicht für immer unterdrücken, sagte auch Staatspräsident Hassan Rouhani am Mittwoch am Grab des Republikgründers Khomeini. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in der Islamischen Republik, dass sich das gesamte Kabinett am Jahrestag der Rückkehr Khomeinis aus dem Exil an dessen Grab versammelt. Rouhani hielt dort eine kurze Rede, aus der dennoch jeder genau hören konnte, für wie ernst und gefährlich der Präsident die Lage seines Landes in diesen Tagen hält.

Die Anti-Kopftuch-Aktion erfasst das ganze Land

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Das Schah-Regime sei zusammengebrochen, weil der Monarch zu lange nicht auf die Stimmen der Menschen gehört habe. „Und als er schließlich sagte, ich habe die Stimme der Revolution gehört, war es zu spät“, sagte Rouhani in seinem kurzen Statement. Nach einer kunstvollen Pause blickte er dann in die Kameras und ergänzte: „Wir müssen die kritischen Stimmen hören, bevor es zu spät ist.“

Ein Jahrestag wie kein anderer

Am 11. Februar feiert die Islamische Republik den 39. Jahrestag des Sieges über die Schah-Monarchie. Es ist ein Tag der Machtdemonstration. Die Machthaber werden wie in jedem Jahr alles Mögliche aufbieten, um für die eigenen Fernsehkameras und die der ausländischen Reporter beeindruckende Bilder zu schaffen.

Die Kunst der prachtvoll inszenierten Mobilisierung beherrschen sie zu Genüge, darin sind sie geübt. Doch in diesem Jahr kursieren Gerüchte, auch die Unzufriedenen wollten die Feierlichkeiten für ihre Zwecke nutzen. Ob es dazu kommt, ist zwar ungewiss. Doch jene Kommissionen und Komitees, die seit Wochen mit der Organisation der offiziellen Straßenumzüge betraut sind, sind in diesem Jahr auffallend zurückhaltend und vorsichtig.

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