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Gefährliche Drohkulisse statt friedlicher Ökumene

Er wollte eine islamische Ökumene, nun steht er an der Schwelle eines Krieges. Wenn der iranische Präsident Hassan Rouhani die Beziehungen seines Landes zu den arabischen Nachbarstaaten betrachtet, blickt er auf einen Scherbenhaufen. Seit Monaten hat der Iran weder in Syrien noch im Irak einen Botschafter, obwohl der Gottesstaat mit Mann und Material an der Seite der dortigen Regierungen kämpft. Und zu Saudi-Arabien gibt es aus Opposition gegen die dortige Regierung keine diplomatischen Beziehungen. Dabei fühlen die Saudis sich derzeit als künftige Sieger, mit Trump und Netanjahu im Hintergrund. mehr »

Schon in den ersten Tagen seines Amtes hat Rouhani alles versucht, um eine halbwegs normale Beziehung zu Saudi-Arabien herzustellen. In seiner ersten programmatischen Rede vor dem Parlament wählt er mit Bedacht freundliche Formulierungen, schlug eine Art islamische Ökumene vor, in der Saudi-Arabien eine tragende Rolle spielen würde. Mehrmals gab der Präsident zu, er würde gern die „heilige Erde“ besuchen, um „Zwistigkeiten“ zu bereinigen. Doch alles vergeblich: Es kam zu keiner Annäherung. Schlimmer noch: Nie waren die Spannungen zwischen Riad und Teheran so groß, so gefährlich wie in diesen Tagen kurz vor Ende von Rouhanis Amtszeit. Saudi-Arabien ist dabei, eine regionale Koalition gegen den Iran zu schmieden, in der auch die Türkei und Israel entscheidende Rollen spielen. Es gibt Beobachter, die sogar eine direkte Konfrontation zwischen dem Iran und Saudi-Arabien in absehbarer Zeit nicht ausschließen.

Trumps Koalition?

Die Szenerie erscheint noch düsterer, wenn man bedenkt, dass all das kompatibel erscheint mit Trumps nebulöser Vorstellung für den Nahen Osten: Araber kaufen US-Waffen und führen damit einen Kampf, mit dem auch Israel einverstanden ist. Ob Rouhani dieses drohende Szenario abwenden kann? Er versucht es unermüdlich. Vor drei Wochen kam der kuweitische Außenminister zu einer Vermittlungsreise nach Teheran, doch offenbar ohne Erfolg: Die Saudis wollten und könnten keine Vermittlung akzeptieren, schrieb tags darauf ein Kommentator von „Al Arabieh“: da es eine große Kluft zwischen den Worten und den Taten des Iran gebe. Rouhani bat das Emirat Oman, zwischen Iran und den Saudis zu vermitteln. Mit Oman hat man gute Beziehung, das Emirat war der Ort, wo die Unterhändler des Atomabkommens sich regelmäßig trafen.

"Trumps Sieg wäre für den Iran vorteilhaft", gab die iranische Zeitung Shargh die Meinung der Hardliner im Iran vor den US-Wahlen wider!

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Doch auch diese Reise Rouhanis war vergeblich. Die Krise nähert sich ihrem vorläufigen Höhepunkt. Selbst der gemäßigte und ruhige Außenminister Zarif wird in diesen unruhigen Tagen nervös. Vergangenen Sonntag schloss er eine weitere Eskalation nicht aus: Die Saudis und ihre Verbündeten würden bald bereuen, was sie gegen Iran im Schilde führten.

Die regionale Drohspirale dreht sich weiter, während im Hintergrund Netanjahu und Trump das Notwendige tun, um der Welt den Iran als Hort und Heimat der Bösen zu präsentieren. Nichts machte dies deutlicher als der letzte Tag der diesjährigen Münchener Sicherheitskonferenz. Da traten die Außenminister Saudi-Arabiens, der Türkei und Israels unmittelbar nacheinander auf und alle hatten nur ein Thema: den Iran. Und für den Fall, dass es im Saal und der Welt draußen jemanden gegeben haben sollte, der trotzdem nicht verstanden hat, worum es geht, beendete Israels Außenminister Liebermann seine Rede mit dem Satz: „Die Gefahr des Tages hat drei Namen: Iran, Iran und nochmal Iran.“

Klein, aber mächtig

Gäbe es eine Kette der Verantwortung dafür, warum Rouhani am Ende seiner Amtszeit vor einer solchen Drohkulisse steht, gehörte er selbst zu deren letzten Gliedern. Es gab und gibt in der Islamischen Republik kleine, aber mächtige Gruppen, denen die andauernde Spannung mit Saudi-Arabien gut passt. Als vor einem Jahr etwa fünfzig Demonstranten unter den Augen der Polizei die saudische Botschaft in Teheran in Brand setzten, konnten am nächsten Tag weder Rouhani noch sein Außenminister ihren Zorn verbergen. Sie wussten, was diese kleine, aber sehr einflussreiche Gruppe weltpolitisch angerichtet hatte: „Diejenigen, die gestern Abend die saudische Botschaft anzündeten und verwüsteten, haben damit eigentlich den Islam und die Islamische Republik beleidigt. Sie haben einer ganzen Nation geschadet und sie gefährdet“, sagte Rouhani damals mit wütender Stimme in die Mikrophone. Doch das Kind war längst in den Brunnen gefallen. Fast die gesamte Welt verurteilte den Iran: die Arabische Liga, die Europäische Union und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Einzelne Staaten, klein wie die Malediven und groß wie die USA, schlossen sich der weltweiten Verurteilung an.

Im Iran meldete der Generalstaatsanwalt Dowlatabadi, der zu den Hardlinern gehört, eine Woche später, man habe 47 Demonstranten jener Nacht vor der saudischen Botschaft verhaftet. Mehr hat man bisher aber nicht erfahren. Wer sie sind, in welchem Gefängnis sie sitzen und ob gegen sie bereits Anklage erhoben worden ist, weiß man nicht. Dabei hat die Aktion dieser so genannten Demonstranten die nationale Sicherheit des Iran mehr gefährdet als jene Dutzende Blogger und Journalisten, die unter demselben Vorwurf seit Jahren ihr Dasein in den Gefängnis fristen.

Rouhani wird, so scheint es jedenfalls derzeit, die nächste Wahl gewinnen. Doch ob er dann auch genug Kraft haben wird, die heraufziehenden Gefahren von seinem Land abzuwenden, ist zweifelhaft.

  ALI SADRZADEH

Persischsprachige Quellen:

www.ycr.ir ,  www.yjc.ir/fa , www.radiofarda.com , farsi.alarabiya.net/fa/iran , aftabnews.ir/fa/news

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