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Gefährliche Drohkulisse statt friedlicher Ökumene

Er wollte eine islamische Ökumene, nun steht er an der Schwelle eines Krieges. Wenn der iranische Präsident Hassan Rouhani die Beziehungen seines Landes zu den arabischen Nachbarstaaten betrachtet, blickt er auf einen Scherbenhaufen. Seit Monaten hat der Iran weder in Syrien noch im Irak einen Botschafter, obwohl der Gottesstaat mit Mann und Material an der Seite der dortigen Regierungen kämpft. Und zu Saudi-Arabien gibt es aus Opposition gegen die dortige Regierung keine diplomatischen Beziehungen. Dabei fühlen die Saudis sich derzeit als künftige Sieger, mit Trump und Netanjahu im Hintergrund. mehr »

Ist Iraj Masjedi also nun Irans neuer Botschafter im Irak? Wurde seine Akkreditierung beantragt und wenn ja, was bedeutet dies für die iranische Außenpolitik in Zeiten Donald Trumps? Zu diesen heiklen Fragen schweigt das iranischen Außenministerium. Und der stets lächelnde Außenminister Javad Zarif kann auch gar nicht anders, weil die Ernennung neuer Botschafter für bestimmte Länder nicht zu seinen Aufgaben gehört. So einfach ist das.

Andere Akteure in der Region aber müssen die Meldung sehr ernst nehmen, daher die harsche Reaktion der Saudis und die Spannung zwischen Bagdad und Riad. Wenn ein General des iranischen Milizwesens der künftige Botschafter seines Landes im vom Bürgerkrieg zerrütteten Irak werden soll, welches Signal wollen die Mächtigen damit senden und wer sind dessen Adressaten?

Der erste ist sicherlich der neue US-Präsident, der begreifen soll, mit wem er es zu tun bekommt, falls er im Irak gegen den Iran zu handeln gedenkt. Ob Trump diese versteckte und komplexe Botschaft allerdings auch versteht, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass ein anderer Präsident, der auch zu ihren Adressaten gehört, sie mit Sicherheit längst verstanden hat: Es ist der iranische Präsident Hassan Rouhani selber, der diese Meldung sehr ernst nehmen muss. Denn er ist sich ihrer Bedeutung sicher bewusst: Ein iranischer Botschafter im Irak ist stets ein Revolutionsgardist, das ist seit dem Sturz Saddam Husseins so, und das wird einstweilen so bleiben.

Zeit der Krieger, nicht der Diplomaten

Und wer aus den Reihen der Revolutionsgarden nach Bagdad geschickt wird, bestimmen nicht der Präsident oder sein Außenminister, sondern der Oberbefehlshaber der Streitkräfte: Revolutionsführer Khamenei. Hat er sich entschieden, wieder einen aus den Reihen der Quds-Brigaden zu entsenden? Offenbar ja. Auch der jetzige Botschafter, der 54-jährige Hassan Dannaie Far, ist Revolutionsgardist der ersten Stunde und Mitglied der Quds-Brigaden. Khamenei geht offenbar davon aus, dass es bis auf weiteres Militärs und nicht Diplomaten sein werden, die bestimmen, wohin der Irak geht. Und dabei haben Rouhani und sein Außenminister nichts zu sagen.

Katayun Raouf Sheybani (re.) und Asma Assad - ein Bild, das die Radikalen im Iran am liebsten vergessen möchten.

Katayun Raouf Sheybani (re.) und Asma Assad – ein Bild, das die Radikalen im Iran am liebsten vergessen möchten.

Vakanter Posten in Damaskus

Ein ähnliches Szenario spielt sich dieser Tage auch im Falle eines anderen Kriegsschauplatzes ab: Syrien. Als Rouhani vor bald vier Jahren sein Amt antrat, war Reza Raouf Scheibani schon seit fast zwei Jahren Botschafter in Damaskus. Der Krieg hatte kurz nach seinem Eintreffen in Damaskus begonnen, und sehr schnell entwickelte sich Syrien zu einem heißen Pflaster für den Iran. Da schien der 65-jährige Raouf Scheibani der richtige Mann an der richtigen Stelle zu sein. Er musste viel leisten, um die iranische Position in Syrien zu verteidigen. Syrien gehöre zur „strategischen Tiefe der Islamischen Republik“, hat einst Ayatollah Khamenei in einer seiner Grundsatzreden gesagt. In den ersten zwei Jahren des dortigen Krieges ging es darum, Assad effektive Militärhilfe zukommen zu lassen, Mann und Material soweit es ging, ohne dass die Außenwelt viel davon erfuhr. Als das nicht mehr zu verbergen war, weil die Zahl der iranischen Gefallenen kontinuierlich stieg, galt es zusätzlich zum Einsatz iranischer Verbände auch den Einmarsch der Hisbollah-Truppen aus dem Libanon und schiitischer Gruppen aus dem Irak, Afghanistan und Pakistan zu koordinieren.

Der Botschafter tat all das sehr gut, vor allem die Radikalen waren zufrieden mit ihm. „Botschafter zur Verteidigung der Heiligen Schreine“, so nennen Scheibani jene Presseorgane, die den Hardlinern nahe stehen. Und würde der so Gelobte jemals seine Memoiren schreiben, könnte man wohl unglaubliche Details aus diesem Krieg erfahren. Zeit dazu hätte er jetzt, denn nach fast sechs Jahren hat sich Scheibani Anfang Oktober von Bashar Al Assad verabschiedet. Er wurde aus diesem Anlass mit den höchsten Orden Syriens dekoriert – und vom Abschied seiner Frau,Katayun Raouf Sheybani, von Präsidentengattin Asma Assad gibt es ein Bild, das die Radikalen im Iran am liebsten vergessen möchten.

Wer wird Botschafter in Damaskus?

Wer Raouf Scheibani auf dem überaus wichtigen Posten in Damaskus folgen soll, ist ungewiss. Ganz vorsichtig brachten Anfang Januar Rouhani nahestehende Zeitungen einen ehemaligen Diplomaten ins Spiel, doch kaum war dessen Name in der Welt, folgten die Angriffe der Hardliner so heftig, dass momentan niemand mehr davon redet, ob und wann der Botschafterposten besetzt wird.

Kurioser könnte die Situation nicht sein: Die Islamische Republik kann sich nicht entscheiden, wer in Syrien und im Irak Botschafter werden soll. Dabei setzt man enorme militärische und finanzielle Mittel ein, damit die dortigen Regierungen an der Macht bleiben. In einem dritten arabischen Staat der Region dagegen hat man keinen Botschafter, weil man alles daran setzt, dass dessen Regierung kollabiert: Saudi-Arabien.

Von der Ökumene zum Krieg?
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