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Umfrage zu Irans ZukunftSchahs Sohn als Staatspräsident?

Eine Umfrage belegt: Die politische Basis für eine Islamische Republik im Iran schwindet. Und ein überraschenderes Ergebnis gibt es auch: Besonders hohe Zustimmung als “politische Persönlichkeit” in einem künftigen Iran findet der Kronprinz der Familie Pahlavi – der Sohn des einstigen Schahs. mehr »

Spitzenreiter bei den Antworten auf die Frage, wem die TeilnehmerInnen bei freien Wahlen ihre Stimme als Parteiführer im Parlament oder als Staatspräsident geben würden, ist Kronprinz Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, mit knapp 38 Prozent Zustimmung. Ihm folgen – weit abgeschlagen – die inhaftierte Rechtsanwältin und Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh (8,1 Prozent) und der seit sieben Jahren im Hausarrest befindliche frühere Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Mousavi (4,6 Prozent).

Hier nur die wichtigsten Antworten:

  • Reza Pahlavi  37,9%
  • Nasrin Sotoudeh 8,1%
  • Mir Hossein Mousavi, früherer Regierungschef 4,6%
  • Mohammad Khatimi, ehemaliger Präsident 4,4%
  • Fariborz Raisdana, linker Ökonom 1,6%
  • M. Javad Zarif, jetziger Außenminister 1,4%
  • Ahmad Zeidabadi, islam. Radikalreformer 1,4%
  • Maryam Rajavi, Oberste der Volksmodjahedin 0,6%
  • Ali Khamenei, Oberster Revolutionsführer 0,5%
  • Abdollah Mohtadi, linker kurd. Parteiführer 0,5%
  • Mahmoud Ahmadinejad, früherer Staatspräsident 0,4%

 

Bei den TeilnehmerInnen der Befragung, die bei den letzten Wahlen Staatspräsident Hassan Rouhani ihre Stimme gegeben haben, ist die Zustimmung für den Kronprinzen sogar noch größer:

  • Reza Pahlavi 48%
  • Nasrin Sotoudeh 11,6%
  • Mir Hossein Mousavi 9,2%
  • Mohammad Khatami 9%
  • Fariborz Raisdana 2,6%
  • M. Javad Zarif 2,6%
  • Ahmad Zeidabadi 2,4%
  • Hassan Shariatmadari namhafter Oppositioneller 1,3%
  • Andere (mindestens 20 mal genannte Namen) 13,4%

 

Die Ergebnisse zeigen auch, dass etwa 21 Prozent der Rouhani-WählerInnen bei freien Wahlen ihre Stimme erneut einem islamischen Reformer oder Moderaten geben würden.

Nasrin Sotoudeh

Die inhaftierte Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh 

 

Interessant ist auch ein weiteres Ergebnis der Umfrage: 43 Prozent der Rouhani-WählerInnen bezeichnen sich als “Umstürzler”, nur 7 Prozent als “islamische Reformer”. Ein großer Teil seiner Wähler, 50,3 Prozent, befürworten einen Regimewechsel durch strukturelle Reformen oder ein Referendum. Und noch interessanter ist der Umstand, dass nur 15 Prozent der befragten IranerInnen einer Monarchie den Vorzug geben, während die Zustimmung zu Kronprinz Pahlevi 38 Prozent beträgt. Daraus folgt, dass die Zustimmung zur Person Reza Pahlevi nicht die zu einem monarchistischen Regierungssystem bedeutet – Reza Pahlevi hätte auch als Staatspräsident eine Chance.

Ein TV-Sender als Königsmacher?

Ein wesentlicher Anteil an der hohen Zustimmung für Reza Pahlavi wird einem 2010 gegründeten Fernsehsender zugeschrieben. Dessen Macher kauften fast alle aus der 57-jährigen Ära der Pahlavi-Dynastie stammenden Dokumentationen des iranischen Fernsehens. Daraus machen sie ein scheinbar neutral-dokumentarisches Programm mit dem Namen „Tunnel der Zeit“. Woche für Woche und mehrmals am Tag ruft der Sender iranischen ZuschauerInnen so die Modernisierung des Iran durch den Dynastiegründer Reza Schah und seinen Sohn Mohammad Reza Schah ins Gedächtnis.

Der Vergleich zwischen früher und heute kam besonders bei Frauen und Jugendlichen gut an. Kronprinz Reza und Königin Farah Diba wurden im „Tunnel der Zeit“ zu liebevollen Gesichtern des einst modernen und später von den Mullahs ins Mittelalter zurückgeführten Iran. Der Sender mit dem Namen „Man o to“ („Du und ich“) hat heute die höchste Einschaltquote unter den iranischen Auslands-TV-Sendern – kein von Oppositionellen betriebener Fernsehsender konnte einen vergleichbaren Einfluss auf die Meinungen der Iraner ausüben.

Die Resonanz der Arbeit der „Man o tu“-Macher konnte man hier und da auch in Parolen bei den landesweiten Massenprotesten im Iran im Dezember 2017 wiederfinden – darunter „Schah, komm zurück in den Iran“, „Kronprinz, wo bist Du, komm uns zu Hilfe“ oder „Iran ohne Schah – Land ohne Ordnung”.

Diese Parolen hat auch Donald Trump gehört. „Informierte Kreise“ ließen verlauten, der US-Präsident habe die Sicherheitsstufe für Reza Pahlavi von 3 auf 9 erhöht: Er darf nun nicht mehr mit Linienmaschinen fliegen. Sollte es nötig sein, wird ihm eine Sondermaschine zur Verfügung gestellt. Reza Pahlavi wird wohl in der Zukunft des Iran eine Rolle spielen.♦

Hier die englische Version der Umfrage!

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