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“Der Iran kann niemanden an der Nase herumführen”

Der Iran müsse aufhören, die Atomaufseher der UN zu beschimpfen, und sollte sich besser darauf konzentrieren, das Misstrauen gegenüber seinem Atomprogramm zu entkräften, fordert Robert Wood, der US-Botschafter bei der Internationalen Agentur für Atomenergie (IAEO). Radio Free Europe/Radio Liberty sprach während der Beratungen der IAEO über die iranische Nuklearkrise in Wien Anfang Juni mit Robert Wood. mehr »

RFE/RL: Wie reagieren Sie auf die Angriffe Teherans auf die Glaubwürdigkeit der IAEO? Sie werde von westlichen Mächten als Geheimdienst zweckentfremdet, heißt es von dort.

Robert Wood: Es ist schade, dass der Iran Integrität und Glaubwürdigkeit der IAEO attackiert und behauptet, die Agentur verübe Spionage. Ich denke, es ist ein erneuter Versuch des Irans, die Aufmerksamkeit von seinen eigenen Verantwortungen und Verpflichtungen nicht nur gegenüber der IAEO, sondern auch gegenüber dem UN-Sicherheitsrat, abzulenken. Der Iran muss, wie der Gouverneursrat der IAEO in mehreren Resolutionen und auch der UN-Sicherheitsrat gefordert haben, der Agentur die Zugänge gewähren, die sie zur Durchführung ihrer Arbeit benötigt. Solange das nicht passiert, gehen die Ermittlungen der Agentur ebenso weiter wie das Misstrauen der internationalen Staatengemeinschaft Bestand haben wird.

Die IAEA fordert seit langem Zugang zu der militärischen Anlage in Parchin, nahe Teheran. Kreise der westlichen Geheimdienste vermuten, dass dort Bestandteile von Atomsprengköpfen getestet worden seien. Der Iran dementiert.

Die IAEA fordert seit langem Zugang zu der militärischen Anlage in Parchin, nahe Teheran. Kreise der westlichen Geheimdienste vermuten, dass dort Bestandteile von Atomsprengköpfen getestet worden seien. Der Iran dementiert.

Welche Punkte möchte Washington in den neuen „strukturierten Ansatz“ der IAEO mit aufnehmen, der momentan zwischen IAEO und dem Iran verhandelt wird. und der dazu beitragen soll, dass der Iran alle offenen Fragen bezüglich der möglichen militärischen Dimension seines Atomprogramms beantwortet?

 

Es liegt nicht an mir, zu sagen, was dort aufgenommen werden soll. Meiner Meinung nach sollte der Iran dem neuen Ansatz aber zustimmen und die darin vereinbarten Maßnahmen umsetzen.

Die Europäische Union hat neulich angemerkt, dass nun bereits seit sechs Monaten auf die Antworten des Irans bezüglich der möglichen militärischen Dimension seines Atomprogramms gewartet wird. Wie lange ist es angebracht, weiter zu warten?

Nicht ewig. Die US-Außenministerin Hillary Clinton hat deutlich gemacht, dass das Fenster der Diplomatie zurzeit noch offen steht, aber nicht für immer. Je länger der Iran verzögert, täuscht und verschleiert, desto stärker wird er unter Druck geraten. Er steht bereits unter großem Druck und wird ab dem 1. Juli unter noch größerem Druck stehen, wenn die Ölsanktionen der Europäischen Union in Kraft treten. Wir wollen einen diplomatischen Prozess fortführen, müssen aber gleichzeitig Druck aufbauen. Diese beiden Maßnahmen als Tandem schaffen die größte Chance, die Antworten zu erhalten, die die internationale Staatengemeinschaft über Irans Atomprogramm erwartet.

Transparency for Iran

Besteht die Gefahr, dass dies die 5+1-Gespräche mit dem Iran, die am 18. und 19. Juni in Moskau stattfinden werden, verzögert? Irans Botschafter bei der IAEO, Ali Asghar Soltanieh, hat darauf angespielt, als er die IAEO bezichtigte, sie würde sich wie eine Spionageagentur verhalten und dass ein solches Verhalten kurz vor dem Treffen in Moskau nicht konstruktiv wäre.

Es gibt zwei Wege, und Soltanieh versucht, beide Wege zugunsten Irans zu manipulieren. In beiden Fällen muss der Iran gewisse Aufgaben erfüllen. Bei den Gesprächen mit der Gruppe 5 + 1 muss er in vertrauensbildende Maßnahmen investieren, und wir sind bereit, darauf angemessen zu reagieren. In Bezug auf die IAEO muss der Iran die Kooperation an den Tag legen, von der ich gesprochen habe. Diese beiden Möglichkeiten aber gegeneinander auszuspielen ist nicht hilfreich. Der Iran wird niemanden an der Nase herumführen können.

Interview: Charles Recknagel

FP