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Deutsch-iranische Beziehungen auf dem Gebiet des SportsStabile Partnerschaften

Neben kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen kooperieren Deutschland und der Iran seit mehr als einem halben Jahrhundert auch auf der Ebene des Hochleistungssports. Die deutsch-iranische Zusammenarbeit erstreckt sich von der Leichtathletik über das Ringen bis zum Fußball. Dem Sport als diplomatischem Bindeglied zwischen Deutschland und dem Iran wird seit jeher ein besonderer Stellenwert zuteil. mehr »

Der deutsche Fußball ist im Iran sehr beliebt, die Spiele der deutschen Bundesliga werden regelmäßig im Staatsfernsehen übertragen und es gibt eine Vielzahl organisierter Fanclubs deutscher Profivereine. Besonders populär im Iran ist der deutsche Rekordmeister Bayern München. Bereits 1972 reiste der FC Bayern mit seinen Weltstars Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Sepp Maier und Paul Breitner in den Iran und bestritt in Teheran zwei Freundschaftsspiele gegen die iranische Nationalmannschaft.

Selbst 2006, während der Zuspitzung des Atomkonflikts zwischen dem Iran und der Weltgemeinschaft, waren die Münchener zu Gast in der iranischen Hauptstadt, für ein Freundschaftsspiel gegen den Club Persepolis Teheran. Der Trip von Oliver Kahn und Co. war politisch umstritten, galt jedoch offiziell der Verabschiedung der iranischen Torwartlegende Ahmadreza Abedzadeh.

Zum Politikum wurde auch das Freundschaftsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Irans Nationalteam in Teheran im Oktober 2004. Der Auftritt der von Jürgen Klinsmann und Joachim Löw trainierten DFB-Elf mit den Stars Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack im Iran wurde vielerorts als Gegenleistung dafür betrachtet, dass der iranische Fußballverband beim Auswahlverfahren für das WM-Gastgeberland 2006 seine Stimme an Deutschland vergeben hatte und somit im denkbar knappen Rennen den Ausschlag für die WM-Vergabe nach Deutschland gab.

Das Spiel zwischen Bayern München und Teheraner Perspolis-Fußballverein in Teheran, 2006:

 

Kooperation mit Bayer Leverkusen

Ein Transferboom iranischer Fußballprofis in die 1. und 2. Bundesliga war in den späten 1990er Jahren zu verzeichnen. Die Wechsel von Welttorjäger Ali Daei und Karim Bagheri zu Arminia Bielefeld sowie von Khodadad Azizi zum 1. FC Köln zu Beginn der Saison 1997/98 läutete ein neues Zeitalter der Präsenz iranischer Fußballer in deutschen Clubs ein. Die Leistungen dieser Legionäre motivierten weitere deutsche Vereine, iranische Fußballer anzuwerben. 1999 spielten beim Hamburger SV mit Mehdi Mahdavikia, Vahid Hashemian und Rasul Khatibi zeitgleich drei Iraner an der Elbe.

Auch der der Werksclub Bayer Leverkusen stieg zu dieser Zeit ins Fußballgeschäft mit dem Iran ein. Die Leverkusener Manager Reiner Calmund und Rudi Völler schlossen ein Kooperationsabkommen mit dem Verein Esteghlal Teheran ab, auf dessen Basis Mehdi Pashazadeh, Ali Mousavi und Dariush Yazdani an den Rhein wechselten. Die Vereinbarung mit dem iranischen Hauptstadtverein schloss die Durchführung mehrerer Trainingslager für Esteghlal in Leverkusen ein.

Auch der damalige Fußball-Zweitligist 1. FSV Mainz 05 profitierte von einem Deal mit dem iranischen Fußball. Die Mainzer schlugen gleich zweimal zu und verpflichteten Serjik Teymourian und Sirous Dinmohammadi von Esteghlal Teheran. Harald Strutz, damaliger Präsident von Mainz 05, war mit Rudi Völler im April 1999 in Teheran zu Gast, als Esteghlal im Finale der asiatischen Champions League stand. Strutz, selbst in den 1970er Jahren im Kader der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft, war damals beim USC Mainz Vereinskollege des iranischen Leichtathleten und Sängers Faramarz Asef, der  wie Teymur Ghiasi beim Mainzer Vorzeigeclub angeheuert hatte.

Sport als diplomatisches Instrument

Der Sport bildet damit seit einem halben Jahrhundert eine stabile Säule der Kooperation und des Dialogs zwischen Deutschland und dem Iran – unabhängig vom politisch schwankenden Verhältnis beider Staaten. Der sportliche Dialog war und ist beständiger Garant für die Überwindung politischer und sonstiger Hindernisse im gegenseitigen Umgang der beiden Staaten.

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