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Nichts trennt die Iraner von ihren Satellitenschüsseln

Seit Jahren versuchen die iranischen Behörden gegen den Gebrauch von Satellitenanlagen zum Empfang internationaler Fernsehsender vorzugehen. Die Polizei verbringt sehr viel Zeit damit, die Schüsseln zu suchen und „unschädlich“ zu machen. Dennoch zeigen neue Statistiken, dass die Geräte zum Empfang ausländischer Sender eine beachtliche Beliebtheit genießen. mehr »

Es scheint, als wäre der Kampf der iranischen Regierung gegen Satellitenschüsseln aussichtslos. Weder Polizeirazzien noch empfindliche Geldbußen können die Iraner bisher davon abhalten, ihre Lieblingssendungen zu schauen.

Auf einem kürzlich in Qom abgehaltenen Seminar über die „schädlichen Wirkungen“ von Satellitenschüsseln berichtete der Forscher Mohammad Reza Khoshrou über neue Statistiken, wonach 65 Prozent der Teheraner Bevölkerung Satelittenschüsseln benutzen würden. Selbst in der „heiligen“ Stadt Qom – so bezeichnet wegen ihrer vielen theologischen Hochschulen – liegt die Zahl laut Khosrou bei 30 bis 40 Prozent. Das entspräche etwa dem iranischen Durchschnitt. Woher seine Zahlen stammen, erwähnte der Forscher nicht – viele der Nutzer von Satellitenanlagen schweigen aus Angst vor Repressionen lieber über die „Schüssel“.

Warnung durch die Behörden zwecklos

„Das ist die einzige Unterhaltung, die wir hier haben. Etwas anderes kann man hier nicht schauen“.

„Das ist die einzige Unterhaltung, die wir hier haben. Etwas anderes kann man hier nicht schauen“.

Dabei räumen die iranischen Behörden die Popularität der Satellitenkanäle durchaus ein, und warnen regelmäßig vor dem negativen Einfluss ausländischer Fernsehsender. So bezeichnete der ultra-konservative Kleriker Ahmad Khatami 2011 die Satellitenprogramme als Teil einer „sanften Kriegsführung“ gegen den Iran. „Der Kampf gegen den Islam, die islamische Revolution und die große iranische Nation“ sei ein wesentliches Ziel der Satellitenprogramme, sagte Khatami damals bei einer Freitagspredigt in Teheran.

Für viele Iraner sind die Satellitenprogramme jedoch die einzige unzensierte Nachrichtenquelle. Sie bieten zudem auch ansprechende Unterhaltungsformate – im iranischen Staatsfernsehen eher eine Seltenheit. So teilte eine Frau aus Teheran in den „Persian Letters“ (einem Weblog von Radio Free Europe / Radio Liberty – d. Red.) mit, dass sie einen Tag, nachdem ihre Satellitenschüssel von der Polizei zerstört wurde, gleich eine neue plus passenden Receiver bestellt habe. „Das ist die einzige Unterhaltung, die wir hier haben. Etwas anderes kann man hier nicht schauen“, sagte sie. „Sie können wieder kommen und die Schüssel mitnehmen. Ich kaufe mir eine Neue.“

Autorin: Golnaz Esfandiari

Aus dem Englischen: Resa Mohabbat-Kar

Quelle: Radio Free Europe / Radio Liberty (RFE / RL)

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