transparent
Iran Journal Logo
Ein Projekt von Transparency for Iran Logo

Heavy Metal im Land der Ajatollahs

Über 32 Jahre lang haben die Ayatollahs im Iran versucht, westliche Kulturerscheinungen wie etwa die Musik zu bekämpfen und die Nation so „islamisch“ zu erziehen. Trotz dieses unerbittlichen Bemühens findet man heute im Iran fast alle westliche Musikformen – auch  Heavy Metal. Ein Gespräch mit Ali, dem Leader der Arthimoth-Band und einem der Pioniere des Heavy Metal in Teheran. mehr »

TFI: Die Menschen im Westen können kaum glauben, dass es im Iran auch Heavy-Metal-Bands gibt. Wie verbreitet ist diese Form der Musik dort?

Ali: Genauso verbreitet wie in anderen Ländern, nicht mehr und nicht weniger. Heavy Metal ist eine radikale Form der Musik, und seine Fans sind Menschen mit besonderem Geschmack. Ich kann sagen, dass Heavy Metal hier genauso viel Anhänger hat wie anderswo in der Welt.

Wie viele Heavy Metal Bands gibt es momentan im Iran?

Es gibt ungefähr 25 sehr aktive Bands, die es sogar geschafft haben, im Ausland aufzutreten auch im Inland in begrenzter Form. Außer diesen sehr aktiven Bands haben wir auch Hunderte von weniger aktiven Gruppen. Jeder Jugendliche, der heute eine Gitarre und ein Schlagzeug kauft, denkt sofort daran, eine Band zu gründen und Musik zu machen. Manche sind aktiver und produzieren mehr, manche haben nur eine einzige Single produziert. Einige singen nur Coverversionen westlicher Songs, aber es gibt auch andere, die ihre eigenen Songs singen. Dazu gehört auch unsere Band.

Auf welcher Sprache singen die iranischen Heavy Metal Bands?

Wir singen immer auf Englisch, weil wir denken, dass Englisch am Besten zu dieser Form der Musik passt. Außerdem wollen wir, dass unsere Musik auch im Ausland gehört wird. Aber es gibt Bands, die auf Persisch singen, und manche von ihnen sind wirklich gut.

Sind Heavy Metal Bands im Iran eigentlich  legal? Können Sie unbehelligt diese Art von Musik machen?

Ali, Leader der Band Arthimoth

Ali, Leader der Band Arthimoth

Ich habe einen Freund namens Farschid Arabi. Er ist der erste, der es im Iran geschafft hat, mit Genehmigung des Kultusministeriums gleich zwei Heavy-Metal-Konzerte zu geben. Er singt auf Persisch, und seine Konzerte waren sehr erfolgreich. Auch wir durften unter Präsident Chatami Konzerte geben. Aber diese Zeiten sind vorbei. Das Kultusministerium stellt heute keine Genehmigungen mehr für solche Konzerte aus. Inzwischen werfen manche konservativen Kreise und Medien uns sogar vor, Anhänger des Satanismus zu sein. Damit will man den Druck auf uns erhöhen.

Das heißt, man wirft Ihnen vor, einer neuen Religion anzugehören?

Genau. Die Islamische Republik ist ein ideologischer Staat, der angeblich auf dem Islam basiert. Daher geht die Regierung gegen andere Ideologien harsch vor. Die Vorwürfe gegen uns stimmen aber nicht. Sie haben wohl damit zu tun, dass wir äußerlich etwas anders aussehen. Viele von Leuten, die hier Heavy Metal Musik machen, glauben in Wahrheit an den Islam. Ich habe selbst Freunde, die sehr gläubig und gleichzeitig sehr gute Musiker sind, die Heavy Metal lieben. Die Musik ist nicht gleichbedeutend mit einer Ideologie. Es sind die Menschen selbst, die sich bewusst für oder gegen eine Ideologie entscheiden.

Es gibt immer noch ab und zu Konzerte von Heavy-Metal-Bands im Iran, von denen man hört. Sind sie alle illegal?

Ja, selbstverständlich.

Wenn Sie irgendwo Musik machen, proben oder Konzerte geben – was passiert, wenn die Polizei vorbei schaut?

Wenn es nur um eine Probestunde geht, bekommt man nur eine Warnung. Aber wenn es sich um ein größeres Event handelt, kommt  die Polizei mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss und Haftbefehlen und nimmt alle fest.

Es gab vor einigen Monaten ein Heavy Metal Konzert in der Stadt Karadsch 40 Kilometer westlich von Teheran, das von der Polizei gestürmt wurde. Was passierte mit den Leuten, die dort verhaftet wurden?

Die Armen blieben für lange Zeit in Haft. Soweit ich weiß, kamen sie aber schließlich mit Geldstrafen davon. Und viele von ihnen machen weiterhin Heavy Metal Musik. Ich bin sicher, dass die Regierung mit solchen Maßnahmen das Interesse der Menschen an dieser Musik nicht vernichten kann. Hier wird es, genauso wie überall in der Welt, immer Menschen geben, die diese Musik lieben und sie machen wollen.

Interview: Mohammad Reza Kazemi

Zur Person: Ali ist in der ostiranischen Stadt Mashad, einem der religiösen Zentren Irans geboren und aufgewachsen. Mit 15 Jahren begann er das Gitarrenspielen. 1998 ging er nach Teheran, um Film zu studieren, stattdessen gründete er die Heavy Metal Band „Scourge“, die dann 2003 in „Arthimoth“ umbenannt wurde.