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Sechs Monate nach der Überflutung lernen Kinder in Containern

In den von Überflutung betroffenen Gebieten des Iran sind viele Schulen noch beschädigt. Viele Schüler*innen können nicht mehr die Schule besuchen. Mancherorts sind Schulen nur per Boot zu erreichen. Lehrkräftemangel bereitet weitere Probleme.

Auch im neuen Schuljahr, das im Iran am 23. September begonnen hat, müssen viele Schüler*innen im Westen und Südwesten des Iran noch in provisorischen Containern lernen. Diese Gebiete waren Ende März von starken Überflutungen betroffen.

Laut offiziellen Angaben wurden dabei allein in der südwestiranischen Provinz Khuzestan 114 Schulgebäude beschädigt. In der Stadt Masdsched Soleyman etwa erfüllten mehr als die Hälfte der Schulräumlichkeiten die sicherheitsrelevanten Standards nicht und müssten längst abgerissen und neugebaut oder kernsaniert worden sein, erklärte der Interimsleiter des Schulwesens der Provinz, Mehdi Rafiee Dehkordi, am 30. September in einem Interview mit dem Nachrichtenportal ILNA.

Zudem hat die Abwanderung von Lehrkräften in andere Provinzen zu einem Mangel von 16.000 Lehrkräften in Khuzestan geführt. In der Provinz Lorestan werden Schulgebäude in Doppelschichten an den Vor- und Nachmittagen genutzt.

Die Überflutung Ende März hat unter anderem eine Hängebrücke in Khuzestan weggespült und so mindestens dreißig Dörfer mit 12.000 Bewohner*innen von der Außenwelt abgeschnitten. Eine neue Brücke wird es in naher Zukunft nicht geben. Die Nachrichtenagentur ILNA zitierte am 30. September einen Schulleiter, der erklärte, dass in dem betroffenen Gebiet zwanzig Prozent der Schüler*innen nicht mehr zur Schule gehen würden, weil sie Angst hätten, den Fluss mit einem Boot zu überqueren.

Das Schulwesen im Iran ist nicht nur in den überfluteten Gebieten von diversen Problemen geplagt. In diesem Schuljahr wurden im Vergleich zum vorangegangenen eine halbe Million mehr Kinder eingeschult. Der zuständige Minister spricht von einem Lehrkräftemangel von 100.000 Lehrer*innen landesweit. Mindestens dreißig Prozent aller Schulräume seien sanierungsbedürftig. Die Doppelschicht-Schulen und die überfüllten Schulräume stellen eine zusätzliche Herausforderung dar. (ia)