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Abschuss des Passagierflugzeugs bei TeheranVorwurf der Doppelmoral

In der persischsprachigen Internet-Community ist nach dem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine durch die iranische Revolutionsgarde am Mittwochmorgen eine Lawine der Kritik ins Rollen gekommen. Besondere Aufmerksamkeit erlangen dabei Videos, die frühere Stellungnahmen von Verantwortlichen der Islamischen Republik in Erinnerung rufen.

Dazu gehört eine Rede des iranischen Staatsoberhaupts Ayatollah Ali Khamenei, in der dieser die Amerikaner nach dem Abschuss eines iranischen Passagierflugzeugs durch die US-Marine am 3. Juli 1988 scharf kritisiert. Bei der „unbeabsichtigten“ Flugkatastrophe waren alle 290 Insassen ums Leben gekommen.

Khamenei hatte auf das Bekenntnis der US-Armee, eine „Fehlentscheidung“ getroffen zu haben, damals geantwortet: „Ein Passagierflugzeug abzuschießen ist selbst nach den Gepflogenheiten der heutigen Weltmächte, die ja keinen Wert auf Menschenleben legen, nicht zulässig. Sie sagen, es war eine Fehlentscheidung. Fehlentscheidung? Ihr seid nicht bei Sinnen!“

Weiter sorgt ein Video für Hohn, das eine blondierte Frau ohne Kopftuch und mit auffälligen Tattoos zeigt, die mit einem Plakat mit dem Foto Qasem Soleimanis in der Hand um den General trauert. Angeblich soll sie eine Darstellerin in Erotikfilmen aus dem Libanon sein.

Der „unbeabsichtigte“ Abschuss der Ukraine-Airline-Maschine durch die iranische Revolutionsgarde am Mittwoch kostete 176 Menschen das Leben. Das Unglück löste Demonstrationen in Teheran aus, bei denen Fotos von Khamenei und Soleimani in Brand gesteckt oder zerrissen wurden. Die Sicherheitskräfte griffen hart gegen die Demonstrant*innen durch.

Anders als bei den landesweiten Unruhen im November, bei denen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 350 und 1.500 Menschen getötet wurden, waren die Proteste vom Samstag und Sonntag jedoch nicht von langer Dauer. (fp)