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Amnesty kritisiert Umgang mit Opfer-Familien

Die iranischen Machthaber würden Tausende Angehörige von Opfern der Massenhinrichtungen im Iran im Jahr 1988 systematisch psychisch foltern. Das sagte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) anlässlich des Internationalen Tags zur Unterstützung von Folteropfern am Mittwoch. Der Tag soll jährlich an die Antifolterkonvention der Vereinten Nationen erinnern, die am 26. Juni 1987 in Kraft trat.

Noch drei Jahrzehnte nach den Massenhinrichtungen seien die Familien der Opfer, die nach Wahrheit und Gerechtigkeit suchten, Drohungen, Belästigungen, Einschüchterungen und Angriffen ausgesetzt, erklärte AI. „Die anhaltende Weigerung der iranischen Behörden, die Todesfälle anzuerkennen oder das Schicksal und den Verbleib der Verschwundenen und Getöteten preiszugeben, hat die Familienmitglieder, die weiterhin von Angst, Unsicherheit und Ungerechtigkeit heimgesucht werden, grausam belastet“, so Philip Luther, AI-Direktor für den Nahen Osten und Nordafrika.

Im Sommer 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini eine mehrköpfige Kommission ernannt, die innerhalb von zwei Monaten über die Schicksale von mehr als 5.000 politischen Gefangenen entschied. Unter den Hingerichteten befanden sich auch solche, die ihre Haftstrafen bereits abgesessen hatten. Nach Zeugenaussagen dauerten Gerichtsverhandlungen oft nur wenige Minuten, die Fragen der Kommission hätten sich ausschließlich darum gedreht, ob der Gefangene für oder gegen das islamische Regime war.

In vielen Fällen wurde den Familien keine Sterbeurkunden ausgestellt oder „natürliche Ursachen“, Krankheiten oder einfach „Tod“ als Todesursache angegeben. Die Behörden weigerten sich auch, die Existenz von Massengräbern anzuerkennen, die die Überreste getöteter Gefangener enthalten. Einige dieser Gräber wurden unterdessen zerstört, indem Gebäude, Straßen oder neue Bestattungsplätze darüber errichtet wurden. Außerdem sind jegliche Trauerrituale, Gedenkfeiern und öffentliche Diskussionen über die Massenmorde verboten.

(fh)