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Empörung nach Mord von Ex-Minister an Ehefrau

Ein Mitarbeiter des iranischen Informationsministerium hat am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur ISNA jegliche Zusammenarbeit mit der von ihrem Ehemann ermordeten Mitra Ostad dementiert.

Am Dienstag war der Mord des ehemaligen Teheraner Bürgermeisters Mohammad Ali Nadschafi an seiner Ehefrau Mitra Ostrad bekannt geworden. Berichte deuten darauf hin, dass Mitra Ostad mit den Geheimdiensten der Islamischen Republik Iran verbunden war.

Nadschafi, der sich am Dienstag der Polizei gestellt hatte, sagte am Mittwoch, seine Telefongespräche seien abgehört und „Mitschnitte meiner Frau zugestellt worden“. Dies sei jedoch nicht das Motiv für seinen Mord gewesen, sondern familiäre Probleme, betonte er.

Heute meldete die Polizei, sie werde gegen das persischsprachige Nachrichtenportal Ensaf News Ermittlungen aufnehmen. Dieses hatte erklärt, ein Interview mit Mitra Ostad geplant zu haben. Sie soll einen Tag vor ihrer Ermordung mit einem Reporter telefoniert und gesagt haben, sie wolle mit dem Interview versuchen, ihren Ruf zu retten.

Der Reformer und Mathematik-Professor Nadschafi war unter mehreren Regierungen zwischen 1989 und 1997 als Wissenschafts- und Bildungsminister tätig. Er gilt als enger Vertrauter von Präsident Hassan Rouhani und war dessen Wirtschaftsberater. Ein Jahr lang bis März 2018 war er Teheraner Bürgermeister. Der 67-Jährige hatte vor knapp einem Jahr die 35-jährige Mitra Ostad als zweite Ehefrau geheiratet. Laut dem islamischen Familienrecht des Iran ist Polygamie erlaubt, Männer dürfen bis zu vier Frau heiraten.

Viele User*innen sozialer Netzwerke kritisierten die „ungewöhnliche Vorgehensweise“ der Verantwortlichen und die „mit dem Mörder sympathisierende“ Berichterstattung des iranischen Staatsfernsehen. Die im Exil lebende iranische Rechtsanwältin Mehrangiz Kar sagte in diesem Zusammenhang: „Laut dem iranischen Strafrecht muss die Polizei Nadschafis Geständnis ans Gericht weiterleiten, der Staatsanwalt muss gegen ihn einen Haftbefehl beantragen und er muss festgenommen werden.“ Nadschafi war, nachdem er sich bei der Polizei gestellt hatte, zunächst freigelassen worden.

(fh)