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Gedenkfeier für Kiarostami abgesagt

Eine geplante Gedenkfeier an der Teheraner Shahid-Beheshti-Universität für den verstorbenen Filmregisseur Abbas Kiarostami wurde von den Verantwortlichen kurzfristig abgesagt. Das teilte Kiarostamis Sohn Bahman Kiarostami am Mittwoch mit. Als Grund für die Absage seien Renovierungsarbeiten genannt worden. Bahman Kiarostami vermutet jedoch, dass das Sicherheits- und Informationsbüro der Uni hinter dem „Verbot“ stecke. Bei der Veranstaltung sollten auch der iranische Gesundheitsminister und Verantwortliche aus der Gerichtsmedizin dabei sein, um über den Ermittlungsstand hinsichtlich einer Klage wegen ärztlichen Versagens zu berichten.

Kiarostami war im vergangenen Jahr am 4. Juli im Alter von 76 Jahren in einem Pariser Krankenhaus gestorben. Zuvor war er in einem Krankenhaus in Teheran vier Mal wegen Magen-Darm-Beschwerden operiert worden. Medien hatten damals berichtet, dass er an Magenkrebs erkrankt sei. Kiarostamis Familie hat dies stets bestritten. Im Mai 2016 war der weltbekannte Regisseur aus der Teheraner Klinik entlassen worden, um seine Behandlung in Frankreich fortzusetzen. Dort verstarb er an den Folgen eines Hirnschlags.

Laut einem 40-köpfigen Expertenteam der iranischen Gerichtsmedizin sollen die Ärzte in Frankreich Kiarostami zu hoch dosierte Medikamente verabreicht haben, die zu einer Hirnblutung führten. Kiarostamis Sohn warf in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ISNA den Gutachtern vor, nicht die komplette Behandlung, sondern nur die letzten drei Tage dokumentiert zu haben.

Der hoch geschätzte Filmemacher wurde in Teheran geboren und zählte in den 60er Jahren zur sogenannten Neuen Welle im iranischen Kino. Nach der Islamischen Revolution 1979 blieb er im Land, arbeitete später aber immer wieder auch im Ausland. 1997 wurde sein Film „Der Geschmack der Kirsche“ beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Zwei Jahre später erhielt Abbas Kiarostami bei den Filmfestspielen in Venedig mehrere Auszeichnungen für seinen Film „Der Wind wird uns tragen“. 2014 wurde er mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst bedacht.

(fh)