Teherans Ex-Bürgermeister gegen Kaution frei

Der ehemalige Teheraner Bürgermeister Mohammad Ali Nadschafi ist am Mittwoch gegen eine Kaution in Höhe von einer Milliarde Tuman, umgerechnet etwa 87.000 Euro, aus dem Gefängnis entlassen worden.

Das Gericht hatte Nadschafi im Juli für schuldig erklärt, seine Zweitfrau Mitra Ostad Ende Mai in ihrer Wohnung in Teheran erschossen zu haben. Da Ostads Familie gemäß islamischem Rechtsgrundsatz „Qisas“ – Vergeltung für den Mord – gefordert hatte, wurde Nadschafi zum Tode verurteilt. „Qisas“ beschreibt in der Scharia das Prinzip der Vergeltung. Sie kann bei der Tötung eines Menschen und auch bei einer nicht tödlichen Verwundung angewendet werden. Mitte August verzichtete die Familie des Opfers jedoch auf die Vollstreckung des Todesurteils. Dadurch wurde die Freilassung auf Kaution möglich, erklärte Nadschafis Anwalt Hamid Reza Gudarzi.

Der Reformer und Mathematikprofessor Nadschafi war unter mehreren Regierungen zwischen 1989 und 1997 als Wissenschafts- und Bildungsminister tätig. Er gilt als enger Vertrauter des amtierenden iranischen Präsidenten Hassan Rouhani und war dessen Wirtschaftsberater. Bis März 2018 war Nadschafi ein Jahr Teheraner Bürgermeister. Der 67-Jährige hatte vor knapp einem Jahr die 35-jährige Mitra Ostad als zweite Ehefrau geheiratet. Laut dem islamischen Familienrecht des Iran ist Polygamie erlaubt, Männer dürfen bis zu vier Frau heiraten.

Iranische User reagierten in den sozialen Netzwerken empört auf die Freilassung. Es sei ungerecht, dass ein Mörder freigelassen werde, „unschuldige Arbeiter*innen, Frauenrechtler*innen und Umweltaktivist*innen“ aber zu hohen Haftstrafen verurteilt würden, lauten viele Kommentare.

(fh)