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Frau „wegen Tötung ihres Vergewaltigers“ hingerichtet

Am Mittwochmorgen ist Somayeh Shahbazi Jahroei in einem Gefängnis in der südiranischen Stadt Ahwaz hingerichtet worden. Sie war der vorsätzlichen Tötung schuldig befunden und zur Todesstrafe am Galgen verurteilt worden.

Die dem Urteil zugrunde liegende Tat beging Somayeh Shahbazi Jahroei vor sechs Jahren. Seither saß die heute 33-Jährige im Gefängnis. „Das Opfer wollte sie vergewaltigen“, wird ein Angehöriger der Täterin am Mittwoch auf der Internetseite der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights zitiert. Shahbazi Jahroei soll nach der Tat aus Angst die Leiche außer Stadt gebracht und verbrannt haben, so der Angehörige.

Die Familie des Opfers sei sogar bereit gewesen, gegen Geld auf die Todesstrafe zu verzichten, so der Angehörige weiter. Einen Tag vor der Hinrichtung soll jedoch plötzlich vom Gefängnis aus die Zeit der Vollstreckung per Telefon mitgeteilt worden sein, zitiert die Menschenrechtsorganisation den Angehörigen.

Iran Human Rights zählt damit die elfte dokumentierte Hinrichtung einer Frau im Iran im Jahr 2019. Nicht alle Hinrichtungen sind offiziell bestätigt, viele Angaben der Organisation stammen aus eigenen Quellen. In den ersten sechs Monaten des Jahres sollen demnach mindestens 110 Todesstrafen in iranischen Gefängnissen oder öffentlich vollzogen worden sein. Davon gehen 83 auf vorsätzliche Tötungen zurück. Offiziell wurden allerdings nur 37 Hinrichtungen bestätigt, so die Webseite der Organisation.

Die meisten Todesurteile im Iran werden wegen vorsätzlicher Tötung oder Drogendelikten verhängt. Das Land führt im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl weltweit die meisten Hinrichtungen durch. Auch Täter*innen, die zur Tatzeit minderjährig waren, werden hingerichtet. Laut dem Amnesty-Bericht zur Todesstrafe 2018 wurden im vergangenen Jahr mindestens 253 Menschen im Iran hingerichtet. Das sind allein die dokumentierten Exekutionen. Damit stehe die Islamische Republik Iran nach China weltweit an zweiter Stelle.