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Nach Boykott des staatlichen Filmfestivals: Druck auf Künstler*innen

Die iranische Staatsanwaltschaft für Medien und Kultur hat am Dienstag die bekannte Schauspielerin Taraneh Alidoosti einbestellt. Sie kam gegen eine Bürgschaft wieder frei. Alidoosti sei wegen „Propaganda gegen das Regime“ vorgeladen worden, berichteten einige Medien.

Der Chefredakteur des Nachrichtenportals Mizan nannte am Mittwoch jedoch einen anderen Grund für die Vorladung. Mizan gehört der iranischen Justiz an. Alidoosti sei nicht „aufgrund der Entwicklungen der letzten Zeit“ vorgeladen worden, twitterte Mohammad Farahani. Es gehe um ein Verfahren aus dem Jahr 2018. Man bemühe sich, die Akte zu schließen.

Alidoosti gehört zu den Künstler*innen, die das diesjährige staatliche Filmfestival des Iran boykottiert haben. Sie hatte am 14. Januar auf Instagram geschrieben, dass sie auch in diesem Jahr nicht am internationalen Fajr-Filmfestival teilnehme. Sie sei froh, dass vielen ihrer Kolleg*innen endlich „die wahre Natur dieser staatlichen Propaganda“ klar geworden sei, die mit Filmemachen nicht zu tun habe, schrieb Alidoosti mit Blick auf den massiven Boykott des Festivals.

Ihren kurzen Instagram-Text hatte die Künstlerin mit den Schlagworten „Trauer um 176 Menschen“ und „Wir sind Gefangene“ versehen. Mit dem ersten Schlagwort trauert die iranische Web-Community um die Opfer der von der Revolutionsgarde abgeschossenen ukrainischen Passagiermaschine und solidarisiert sich mit deren Angehörigen.

Das zweite Schlagwort bezieht sich auf einen früheren Instagram-Post der Künstlerin. „Wir sind keine Bürger*innen, wir sind es nie gewesen. Wir sind Gefangene, Millionen von Gefangenen“, hatte die 36-Jährige am 11. Januar indirekt die brutale Reaktion des Regimes auf die Unruhen im November und Januar kritisiert.

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