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Goldene Halsbänder und Geschichtsverfälschung

Die Aufführung des neuen iranischen Kinofilmes „Goldene Halsbänder“ sorgte in der vergangenen Woche für hitzige Debatte. Während die Macher und Befürworter den neuen Kinostreifen als „politischsten Film aller Zeiten“ feiern, kritisieren ihn die Gegner als Geschichtsverfälschung. Mehr zu dem Film und den Reaktionen, die er auslöst. mehr »

Er sollte zum Kino-Highlight werden, nicht nur während der iranischen Neujahrsfeiertage Nouruz: „Goldene Halsbänder“ vom iranischen Regisseur Abolghasem Talebi. „Ghaladehhaye Talaaie“, so der Originaltitel, stellt in aufwändig gedrehten Actionszenen die Ereignisse nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen in Juni 2009 im Iran nach. Dabei wird nach dem Motto „westliche Spione in Aktion“ folgende Story erzählt: Eine ausländische Gruppe plant durch das Sprengen eines Flugzeugs, in dem auch der iranische Ex-Präsident Mohammad Khatami mitfliegt, eine sanfte Revolution im Iran auszulösen. So soll gezeigt werden, dass die Massenproteste nach den Präsidentschaftswahlen im Iran aus den USA und Großbritannien gesteuert wurden. Ziel der sogenannten westlichen Erzfeinde: einen Regimewechsel im Iran zu vollbringen.

Der Filmregisseur Talebi, der einst als Journalist arbeitete, sagte in einem Interview, die Recherchearbeiten seien sehr aufwändig gewesen: „Dafür habe ich etwa 70 Bücher gelesen und zahlreiche Dokumente des Informationsministeriums und Auswärtigen Amtes studiert.“ Dennoch wies Talebi zurück, seinen Film im Staatsauftag gedreht zu haben. Gleichzeitig macht der 51-Jährige aber aus seinem Willen kein Geheimnis: „Meine Absicht war, dem iranischen Religionsführer Ayatollah Khamenei eine Freude zu machen“ – ein wichtiger Grund für die iranische Opposition, diesen Film nicht als politischsten Film aller Zeiten sondern als „staatlichsten Film aller Zeiten“ zu bezeichnen.

Boykottaufruf

Screen Shots: Unterstützter der Grünen Bewegung stellen auf Social Media ihre Wut über den Film zur Schau.

Screen Shot: Unterstützter der Grünen Bewegung stellen auf Social Media ihre Wut über den Film zur Schau.

Während der Film laut offiziellen Angaben landesweit in mehr als 70 Kinos gut läuft, bleiben die Kritiker nicht ruhig. Auf Sonderseiten in Social-Media-Networks wie Facebook rufen sie zum Boykott des Filmes auf. Über 5.800 Facebook-User bewerteten das bisher mit „Gefällt mir“. Der Tenor der meisten Kommentare: „Wir werden keinen Film unterstützen, der die Grüne Bewegung und damit die friedlichen Proteste der Bevölkerung beleidigt.“ Ein Fan der Boykottseite, M.Tazmini, schlug sogar vor: „Man sollte bei diesem Film unbedingt all die verfälscht dargestellten Ereignisse durch Fakten und echtes Videomaterial ersetzen. So können die Zuschauer am besten selber zwischen der Wahrheit und der Lüge urteilen.“

Nicht nur der Film, auch die Hauptdarsteller wurden zur Zielscheibe von Kritik. Auf der größten iranischen Internetplattform „Balatarin“ haben viele User die Fotos der Hauptdarsteller mit „negativ“ bewertet.

Politischer Kampf auf der Leinwand

Auch viele iranische Blogger schlossen sich dem Film-Boykott an. Der Blogger „Green City“ schreibt: „Ein Film, der bewusst die Grüne Bewegung als westliche Marionette inszeniert und die brutale Vorgehensweise der Basiji-Milizen verherrlicht, werde ich boykottieren.“

"Cinema Afrika" in Mashad mit grünem Farbbeutel beworfen.

"Afrika Kino" in Mashad mit grünem Farbbeutel beworfen.

Ein anderer Blogger, „Mozhek“, kritisiert: „Der Film ist sehr einseitig. Die Protagnoisten der Grünen Bewegung schimpfen die ganze Zeit und werden als die Bösen dargestellt, was so überhaupt nicht stimmt.“

Blogger „Aazaadi“ fasst sich kurz. Er postet lediglich ein Foto des „Afrika Kino“ aus der Stadt Maschhad. Darauf ist zu erkennen, dass das Kinoplakat mit grüner Farbe befleckt wurde. „Aazaadis“ Kommentar dazu: „Die Vorführung der Goldenen Halsbänder im Afrika Kino in Maschhad wurde mit grünen Farbpatronen gefeiert.“

Ein weiterer Blogger, „Totestan“, bemerkt, wenn „Goldene Halsbänder“ als bester Film des Jahres gefeiert werde, „dann brauchen wir uns nicht zu wundern über die restlichen Filme, die in diesem Jahr noch folgen werden.“ „Totestan“ bezeichnet den Film als „katastrophal“ und meint, jeder, der etwas politisches Bewusstsein besitze, würde „die Tiefe des Scheiterns“ bei diesem Film erkennen. Am Ende spricht „Totestan“ den Titel des Filmes an: „Der Film heißt Goldene Halsbänder. Eigentlich müsste man dem Regisseur sagen, dass die goldenen Halsbänder  – mit denen die Anhänger der Grünen Bewegung seiner Meinung nach ferngesteuert werden – an seinem eigenen Kragen hängen.“

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