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Das Fehlen der notwendigen Aussparung

  • Die Prinzessin spielt persisches Polo, Täbris Schule, 1524-5 AD, 13x20cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Shahpour Pouyan, 1980 in Teheran geboren, studierte Kunst und arbeitete als Künstler im Iran, bevor er in die USA zog. Im Zentrum seiner künstlerischen Auseinandersetzung steht die Beschäftigung mit dem Medium Malerei, allerdings gehören auch Installationskunst und Bildhauerei zu seinen Interessen. Die historische Beziehung zwischen der Kunst und politischen und wirtschaftlichen Mächten ist Schwerpunkt seiner Arbeit. Trotz eines lebhaften Interesses an der lokalen Ästhetik beschränkt er sich nicht auf ein lokales Verständnis dieses Themas, sondern studiert es als ein globales Phänomen.

    Die Prinzessin spielt persisches Polo, Täbris Schule, 1524-5 AD, 13x20cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Shahpour Pouyan, 1980 in Teheran geboren, studierte Kunst und arbeitete als Künstler im Iran, bevor er in die USA zog. Im Zentrum seiner künstlerischen Auseinandersetzung steht die Beschäftigung mit dem Medium Malerei, allerdings gehören auch Installationskunst und Bildhauerei zu seinen Interessen. Die historische Beziehung zwischen der Kunst und politischen und wirtschaftlichen Mächten ist Schwerpunkt seiner Arbeit. Trotz eines lebhaften Interesses an der lokalen Ästhetik beschränkt er sich nicht auf ein lokales Verständnis dieses Themas, sondern studiert es als ein globales Phänomen.

  • Der Arzt besucht seinen liebeskranken Patient, 19.4x10.3cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert In dieser Serie, die noch nicht im Ausland ausgestellt wurde, betrachtet Pouyan persische Miniaturen aus verschiedenen Jahrhunderten als visuelle Texte, die an der Schnittstelle zwischen politischen und wirtschaftlichen Mächten erzeugt wurden. Miniaturen wurden meist vom Königshof beauftragt, um den Wohlstand des Königs durch ihre Schönheit zu präsentieren. Ein illuminiertes und illustriertes Manuskript kostete so viel, dass es per se als Zeichen für Reichtum und Fülle galt.

    Der Arzt besucht seinen liebeskranken Patient, 19.4x10.3cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    In dieser Serie, die noch nicht im Ausland ausgestellt wurde, betrachtet Pouyan persische Miniaturen aus verschiedenen Jahrhunderten als visuelle Texte, die an der Schnittstelle zwischen politischen und wirtschaftlichen Mächten erzeugt wurden. Miniaturen wurden meist vom Königshof beauftragt, um den Wohlstand des Königs durch ihre Schönheit zu präsentieren. Ein illuminiertes und illustriertes Manuskript kostete so viel, dass es per se als Zeichen für Reichtum und Fülle galt.

  • Mehr tötet einen Löwen, Isfahan, 16. Jahrhundert, 11x13cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Pouyan manipuliert historische persische Miniaturen durch die Beseitigung von Figuren aus dem Vordergrund. Die orientalische Kunst ist berühmt für ihren abstrakten und nicht-figürlichen Charakter. Meistens wird der Islam dafür verantwortlich gemacht, weil man annimmt, dass er jegliche figurative Darstellung verbietet. Persische Miniaturen sind jedoch alles andere als abstrakt und zeigen ausschließlich die Interaktion von Menschen. Landschaften und Stillleben sind in der persischen Malerei sehr selten. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, dass persische Miniaturen vor allem Geschichten illustrierten.

    Mehr tötet einen Löwen, Isfahan, 16. Jahrhundert, 11x13cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Pouyan manipuliert historische persische Miniaturen durch die Beseitigung von Figuren aus dem Vordergrund. Die orientalische Kunst ist berühmt für ihren abstrakten und nicht-figürlichen Charakter. Meistens wird der Islam dafür verantwortlich gemacht, weil man annimmt, dass er jegliche figurative Darstellung verbietet. Persische Miniaturen sind jedoch alles andere als abstrakt und zeigen ausschließlich die Interaktion von Menschen. Landschaften und Stillleben sind in der persischen Malerei sehr selten. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, dass persische Miniaturen vor allem Geschichten illustrierten.

  • Rostam auf Jagdrevier, Täbris Schule, 1520-40 AD, 16x20cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Als Folge ändert Pouyan das Genre dieser Miniaturen. Seine Bilder sind originale Landschaften, die iranische Künstler nie gemalt haben. Abendländische Reisende haben der historischen persischen Kunst oft die Spiegelung einer Art von „Horror Vacui“ (lat. Scheu vor der Leere) vorgeworfen. Andere haben die Leidenschaft der persischen Künstler für die Dekorierung jeder Oberfläche erwähnt. In Miniaturen ist das Bild tatsächlich so aufgebaut, um sicherzustellen, dass die Bildteile verriegeln und nirgends Fläche leer bleibt. Manchmal brechen die Rahmen des Bildes und ermöglichen dem Hintergrund, in den Rand der Seite einzudringen. Aber auch dann bleiben die Figuren fixiert und eingerahmt und werden durch den Hintergrund und die Komposition gehalten.

    Rostam auf Jagdrevier, Täbris Schule, 1520-40 AD, 16x20cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Als Folge ändert Pouyan das Genre dieser Miniaturen. Seine Bilder sind originale Landschaften, die iranische Künstler nie gemalt haben. Abendländische Reisende haben der historischen persischen Kunst oft die Spiegelung einer Art von „Horror Vacui“ (lat. Scheu vor der Leere) vorgeworfen. Andere haben die Leidenschaft der persischen Künstler für die Dekorierung jeder Oberfläche erwähnt. In Miniaturen ist das Bild tatsächlich so aufgebaut, um sicherzustellen, dass die Bildteile verriegeln und nirgends Fläche leer bleibt. Manchmal brechen die Rahmen des Bildes und ermöglichen dem Hintergrund, in den Rand der Seite einzudringen. Aber auch dann bleiben die Figuren fixiert und eingerahmt und werden durch den Hintergrund und die Komposition gehalten.

  • Rostam zähmt Rakhsh, Täbris Schule, 1525 AD, 26.9x17cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Durch die Beseitigung der Figuren betont Pouyan das Fehlen der notwendigen Aussparung in den Miniaturen und unterstreicht die dominierende Rolle des Vordergrunds in den Bildern. Es wird dann unübersehbar, wie die Bilder ohne die Präsenz von Menschen ihre Bedeutung verlieren. Pouyan hebt dadurch die Menschlichkeit der persischen Miniatur hervor. Politische Unsicherheit war und ist noch heute ein Trauma für die iranische Psyche. Die Weichheit der persischen Kunst und Literatur hatte in diesem Zusammenhang immer einen schadensmindernden Effekt. Pouyan stört die Gelassenheit der Bilder und zeigt damit die Verletzlichkeit, die diese Miniaturen verbergen und schützen.

    Rostam zähmt Rakhsh, Täbris Schule, 1525 AD, 26.9x17cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Durch die Beseitigung der Figuren betont Pouyan das Fehlen der notwendigen Aussparung in den Miniaturen und unterstreicht die dominierende Rolle des Vordergrunds in den Bildern. Es wird dann unübersehbar, wie die Bilder ohne die Präsenz von Menschen ihre Bedeutung verlieren. Pouyan hebt dadurch die Menschlichkeit der persischen Miniatur hervor. Politische Unsicherheit war und ist noch heute ein Trauma für die iranische Psyche. Die Weichheit der persischen Kunst und Literatur hatte in diesem Zusammenhang immer einen schadensmindernden Effekt. Pouyan stört die Gelassenheit der Bilder und zeigt damit die Verletzlichkeit, die diese Miniaturen verbergen und schützen.

  • Trauer um Laylas Ehemann, 1494 AD, 20x14cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Die Miniaturen präsentieren eine andere Auslegung von Dasein in der persischen Malerei, die durch ein Gefühl von Zeit- und Geschichtslosigkeit geprägt ist. Meistens illustrieren Miniaturen zeitlose Mythen. Für Pouyan ist dieses unaufhörliche Dasein seit langem zerstört und kann nicht mehr zurückgewonnen werden. Deshalb können die Bilder weniger als Hommage an die historischen persischen Miniaturen gesehen werden denn als Kritik am gegenwärtigen Zustand der Kultur.

    Trauer um Laylas Ehemann, 1494 AD, 20x14cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Die Miniaturen präsentieren eine andere Auslegung von Dasein in der persischen Malerei, die durch ein Gefühl von Zeit- und Geschichtslosigkeit geprägt ist. Meistens illustrieren Miniaturen zeitlose Mythen. Für Pouyan ist dieses unaufhörliche Dasein seit langem zerstört und kann nicht mehr zurückgewonnen werden. Deshalb können die Bilder weniger als Hommage an die historischen persischen Miniaturen gesehen werden denn als Kritik am gegenwärtigen Zustand der Kultur.

  • Mehr spielt Polo mit dem König, 16. Jahrhundert, Isfahan, 12.7x10cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Die Titel der Kunstwerke entsprechen denen der originalen Miniaturen und beschreiben die Themen der Geschichten, die sie illustrieren. In den manipulierten Miniaturen ist jedoch keine Handlung dargestellt, die Erzählung ist damit entfernt. Deshalb sind die Titel widersinnig und absurd geworden. Es bleibt dem Betrachter überlassen, das Vakuum auszufüllen. Auch das Zeitgefühl ist zerstört.

    Mehr spielt Polo mit dem König, 16. Jahrhundert, Isfahan, 12.7x10cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Die Titel der Kunstwerke entsprechen denen der originalen Miniaturen und beschreiben die Themen der Geschichten, die sie illustrieren. In den manipulierten Miniaturen ist jedoch keine Handlung dargestellt, die Erzählung ist damit entfernt. Deshalb sind die Titel widersinnig und absurd geworden. Es bleibt dem Betrachter überlassen, das Vakuum auszufüllen. Auch das Zeitgefühl ist zerstört.

  • Das Porträt König Scheibanis, Herat Schule, 15th century AD, 12x14cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert In seiner „Turm Serie“ (http://shahpourpouyan.com/Tower-series), deren phallische Formen für die Schließung einer Galerie in Teheran verantwortlich waren, stellt Pouyan ebenfalls die Abwesenheit des Menschen dar, aber diesmal durch Abbildung verlassener Gebäude ohne architektonische Funktion. Auch dort verbindet dies die Vergangenheit mit der Gegenwart. Dies ist ein wiederkehrendes Thema im Werk des Künstlers.

    Das Porträt König Scheibanis, Herat Schule, 15th century AD, 12x14cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    In seiner „Turm Serie“ (http://shahpourpouyan.com/Tower-series), deren phallische Formen für die Schließung einer Galerie in Teheran verantwortlich waren, stellt Pouyan ebenfalls die Abwesenheit des Menschen dar, aber diesmal durch Abbildung verlassener Gebäude ohne architektonische Funktion. Auch dort verbindet dies die Vergangenheit mit der Gegenwart. Dies ist ein wiederkehrendes Thema im Werk des Künstlers.

  • Abu Taleb adoptiert Mohammed, 15. Jahrhundert, 33.8x23cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Die lebhafte Atmosphäre der persischen Miniaturen verändert sich in Pouyans Versionen zur Trostlosigkeit der Ruhe vor (oder nach) dem Sturm. Beim Wegfall der Theatralik aus den Bildern gleichen die Szenen einer leeren Bühne nach einem Auftritt. Der Zuschauer ist zu spät gekommen.

    Abu Taleb adoptiert Mohammed, 15. Jahrhundert, 33.8x23cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Die lebhafte Atmosphäre der persischen Miniaturen verändert sich in Pouyans Versionen zur Trostlosigkeit der Ruhe vor (oder nach) dem Sturm. Beim Wegfall der Theatralik aus den Bildern gleichen die Szenen einer leeren Bühne nach einem Auftritt. Der Zuschauer ist zu spät gekommen.

  • Nicht der Kapitän bestimmt den Kurs des Schiffes, sondern Gott, Isfahan Schule, 10.4x7.5cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert Eine unheimliche Stille und ein Gefühl der Einsamkeit charakterisieren viele von Pouyans Kunstwerken. Sie sind erfüllt mit Nostalgie für eine verlorene kulturelle Herrlichkeit. In der Miniaturenserie eröffnet die Beseitigung der Figuren Raum für den Betrachter, in das Bild einzutreten und darin herumzuziehen. Die Vergangenheit nähert sich der Gegenwart und erzielt dadurch Relevanz. Die Szene gehört nicht mehr den Figuren, sondern dem Betrachter. Die Vergangenheit als solche ist nicht repräsentiert als losgelöster Zeitpunkt, sondern als Kulisse einer gegenwärtigen Veranstaltung. Text: SARANG BAHRAMI (bahrami@iranjournal.org)

    Nicht der Kapitän bestimmt den Kurs des Schiffes, sondern Gott, Isfahan Schule, 10.4x7.5cm, Fotoemulsion auf Malpappe montiert

    Eine unheimliche Stille und ein Gefühl der Einsamkeit charakterisieren viele von Pouyans Kunstwerken. Sie sind erfüllt mit Nostalgie für eine verlorene kulturelle Herrlichkeit. In der Miniaturenserie eröffnet die Beseitigung der Figuren Raum für den Betrachter, in das Bild einzutreten und darin herumzuziehen. Die Vergangenheit nähert sich der Gegenwart und erzielt dadurch Relevanz. Die Szene gehört nicht mehr den Figuren, sondern dem Betrachter. Die Vergangenheit als solche ist nicht repräsentiert als losgelöster Zeitpunkt, sondern als Kulisse einer gegenwärtigen Veranstaltung.
    Text: SARANG BAHRAMI (bahrami@iranjournal.org)