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Geht den Hardlinern der Nachwuchs aus?

Ein Liebeslied und dazu tanzende Kinder sorgen im Iran für einen Eklat und legen die gegensätzlichen Weltanschauungen von Machthabern und Bevölkerung offen. Der Vizepräsident des Parlaments fordert harte Konsequenzen, der Bildungsminister versucht, den „Schaden“ zu begrenzen. Ist vielleicht etwas schiefgegangen bei der Erziehung der islamischen Jugend, wie sie sich die islamischen Hardliner vorgestellt hatten? mehr »

Last but not least: Die junge Generation solle nicht solche Leitbilder haben wie den Popsänger Sasy, kritisieren die Hardliner. Sie wünschen sich betende, den Koran rezitierende Kinder, die später ohne zu zögern für die Ideologie ihrer Eltern den „Märtyrertod“ sterben.

Doch die Eltern der tanzenden Kinder sind die Erzeugnisse einer islamisch-revolutionären Epoche. Sie haben die dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte des Iran an Leib und Seele zu spüren bekommen: die Anfänge der Islamisierung des öffentlichen Lebens, die blutige Verfolgung von Oppositionellen, den Irak-Iran-Krieg (1980 – 1988), die Sanktionen, die internationale Isolierung, den Mangel. Geben sie deshalb ihren Kindern die Freiheit, das Leben zu genießen? Oder ist etwas schiefgegangen bei der „völligen Islamisierung“ der iranischen Gesellschaft, die der Anspruch der islamischen Revolutionäre nach der Revolution von 1979 war?

„Gentleman“ Offizielles Video von Sasy:

„Verlorene Werte“

Die tanzenden Kinder seien ein Beweis dafür, dass die „Werte der Revolution“ verloren gegangen seien, klagt ein Kritiker. „Mit fröhlichen Kindern kann man Israel nicht vernichten“, twittert ein weiterer. Ein anderer Twitter-Nutzer postet einen Film, der kleine Kinder zeigt, die religiöse Klagelieder singen und sich energisch gegen die eigene Brust schlagen. Diese für religiöse Feierlichkeiten im Iran typische Szene wird vom Besitzer des Accounts hoch gelobt.

So legen die tanzenden Kinder die große Diskrepanz zwischen den zwei gegenwärtigen Weltanschauungen im Iran offen: auf der einen Seite die vom Regime propagierte antiwestliche und metaphysische, auf der anderen Seite die weltliche, auf einfachen Freuden basierende der Mehrheit der Bevölkerung.

Und was macht der „Übeltäter“ selbst, der Sänger Sasy? Er schreibt dem Vizepräsidenten des iranischen Parlaments: „Statt den Wertverlust der iranischen Währung und die Teuerungsrate zu stoppen, beschäftigen Sie sich mit meinem Song!“ Und lädt Motahari ein, sich den Song selbst anzuhören. Auch er werde, verspricht Sasy, dazu tanzen.♦

© Iran Journal

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