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Shirin Neshats neuer KinofilmEine mühsame Suche

Die iranisch-amerikanische Künstlerin Shirin Neshat hat einen Film über die Grande Dame der ägyptischen Musik Oum Kulthum fertiggestellt. Ein schwieriges Unterfangen, denn es ist wenig über das private Leben der Sängerin bekannt. mehr »

Diese Frau hatte nicht nur einen starken Charakter: Sie konnte Millionen Menschen in verschiedenen Ländern mit ihrer Musik erfreuen und sie sogar damit in Trance versetzen. Sie war auf der Bühne immer beherrscht und vermittelte den Eindruck, ein kalter und nüchterner Mensch zu sein. Dennoch konnte sie nach Lust und Laune mit den Gefühlen ihrer Hörer und Zuschauer spielen.

Sind Sie jetzt eine Oum-Kulthum-Expertin?

Über ihr Privatleben gibt es nicht viele Information, dafür aber viele Gerüchte und Vermutungen, etwa über ihre sexuellen Neigungen. Manche waren der Überzeugung, dass sie nicht nur in einer Beziehung leben wollte, sondern offene Beziehungen bevorzugte. Andere hielten sie für homosexuell.

Und was meinen Sie?

In langen Gesprächen mit ihrer Verwandtschaft in Ägypten habe ich herausgefunden, dass sie ihr Privatleben bewusst für sich behalten wollte. Sie wollte nur als Künstlerin angesehen werden und hat sogar dafür gesorgt, dass die Menschen sie selbst nach ihrem Tod so im Gedächtnis behalten, wie man sie auf der Bühne gesehen hat. Viele möchten die privaten Neigungen und Eigenschaften von erfolgreichen Künstlerinnen an die Öffentlichkeit zerren – was sie essen, trinken, mit wem sie verkehren und so fort …

Konnten Sie trotzdem Informationen über Oum Kulthums Privatleben bekommen?

Ich habe mich bemüht und war mäßig erfolgreich. Das war auch der Grund, warum wir, Shoja Azari und ich, uns nach einigem Hin und Her entschieden haben, nicht eine Geschichte über das Leben oder aus dem Leben von Oum Kulthum zu erzählen, sondern eine Art Film im Film zu drehen.

Wie viel Zeit hat Sie dieses Projekt gekostet?

Von der Idee bis zum letzten Schnitt mehr als sechs Jahre.

Was hat Ihnen diese Zeit gebracht – abgesehen von Erfahrungen in der Filmkunst?

Sehr viel. Zum Beispiel: Manchmal werde ich mit kleinen Niederlagen konfrontiert und fühle mich deshalb schwach. Ich habe gemerkt, dass ich mich in einigen Punkten von Oum Kulthum sehr unterscheide. Sie widmete ihre Energie zu hundert Prozent ihrer Kunst. Ich habe gelernt, dass eine Künstlerin auf vieles verzichten muss, um Kultstatus zu erreichen, eine Legende zu werden. Sie muss anders leben als die anderen. Ich habe registriert und akzeptiert, dass ich im Vergleich zu ihr eine gewöhnliche Künstlerin bin und dass ich nicht bereit bin, wegen meiner Kunst auf mein Privatleben zu verzichten. Einen Teil meiner Zeit widmete und widme ich meiner Familie, besonders meinem Sohn.

Hatten Sie Probleme in Bezug auf Copyrights oder Einwilligungen vonseiten der Familie?

Oum Kulthums Familie ist nach deren Tod in ihre Heimatstadt zurückgekehrt und führt ein bescheidenes Leben. Ich hatte keine Probleme mit ihren Angehörigen. Aber die Musik war ein Problem. Wir hatten von Anfang an nicht vor, ihre Platten oder Kassetten zu verwenden, da zu deren Entstehungszeit die Aufnahmequalität nicht gut war und für einen heutigen Kinofilm nicht geeignet ist. Wir haben uns für die Stimme der ägyptischen Sänger Mervan Nagi entschieden. In unserem Orchester spielten auch einige Musiker, die in Oum Kulthums Ensemble waren.

Was waren die größten Schwierigkeiten während der Produktion?

Es gab viele Probleme. Schon die Finanzierung eines Films über eine ägyptische Sängerin – und dann noch im Stil der Geschichte in einer Geschichte, in der eine iranische Frau im Mittelpunkt steht – war enorm schwer. Ein anderes Problem war der Ausstieg einer renommierten iranischen Schauspielerin kurz vor dem Dreh-Start. Sie sollte die Rolle der Regisseurin übernehmen, die den Film über Oum Kulthum drehen will. Während der ganzen sechs Jahre haben Shoja Azari und ich, aber auch andere Freunde – wie Ahmad Diba oder Jean Claude Carriere, die uns beim Schreiben des Drehbuchs geholfen haben – nicht geglaubt, dass wir den Film herausbringen können. Ein anderes großes Problem war, dass wir in Marokko gedreht haben, nicht an Originalschauplätzen.

Warum das?

Die ägyptische Regierung hat uns aus Gründen, die nur sie selbst kennt, keine Drehgenehmigung erteilt.

Weshalb sollten sich alle Filmfans außerhalb des Nahen Osten den Film „Auf der Suche nach Oum Kulthum“ anschauen?

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