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Zwei Dichter verschwinden

Anfang Dezember wurden die beiden Lyriker Fatemeh Ekhtesari und Mahdi Moussavi im Iran verhaftet – bisher ohne jede Erklärung der Behörden für ihre Festnahme. Der in Deutschland lebende iranische Musiker Shahin Najafi, gegen den im Iran eine Fatwa verhängt wurde, hatte Lieder der beiden als Songtexte benutzt. mehr »

Seit einem Monat sind Fatemeh Ekhtesari und Mahdi Moussavi nun bereits unter unklaren Bedingungen in Haft. Am sechsten Dezember wollten die Dichterin und der Dichter gemeinsam in die Türkei fliegen. Am Flughafen wurde ihnen dann mitgeteilt, dass sie nicht aus dem Iran ausreisen dürfen. Laut der oppositionellen Webseite Kalameh bekamen sie dabei auch eine Vorladung zur Teheraner Justizbehörde.

Vom Flughafen stammt eine letzte Stellungnahme Moussavis auf Facebook: „Heute wurde mir und Fatemeh Ekhtesari am Flughafen nicht erlaubt, das Land zu verlassen, unsere Pässe wurden beschlagnahmt“, schreibt der 37-Jährige da. „Den Grund dafür kennen wir natürlich noch nicht.“ Die beiden Dichter hatten bei den letzten Wahlen im Iran den nun amtierenden Präsidenten Hassan Rouhani unterstützt.

Seit dem 7. Dezember sind die beiden Lyriker, die für ihre kritischen Gedichte bekannt sind *, nicht mehr erreichbar, ihre Familien und Freunde sind ohne Nachricht über ihre Verfassung, können aber ihre Verhaftung bestätigen. Laut iranischer Nachrichtenplattformen sitzen sie im Teheraner Evin-Gefängnis. Für die Verhaftung der beiden seien die Revolutionsgarden verantwortlich. Vonseiten der Behörden gab es bislang dazu keine Stellungnahme.

Webseiten iranischer Hardliner werfen den jungen Dichtern unter anderem „Freundschaft mit Shahin Najafi“, „Propaganda gegen die Islamische Republik“ und „Teilnahme an den Wahlprotesten 2009“ vor. Der in Deutschland lebende Sänger Najafi hatte Lieder der beiden als Songtexte benutzt. Er wurde 2012 wegen angeblicher Blasphemie in einem Song namens Naghi mit dem Tode bedroht.

Poesie – und Zensur

Einer der Vorwürfe der Islamisten gegen die verhafteten Dichter ist „Freundschaft mit Shahin Najafi“ (Foto)

Einer der Vorwürfe der Islamisten gegen die verhafteten Dichter ist „Freundschaft mit Shahin Najafi“ (Foto)

Auf Facebook hatte sich Mahdi Moussavi zuvor über die Zensur und das lange staatliche Genehmigungsverfahren für die Veröffentlichung von Büchern durch das iranische Kultusministerium beschwert. „Warum soll ich so viele Schwierigkeiten überwinden, wenn ich einen literarischen Workshop zur Diskussion über Dichtung organisieren möchte?“, fragte er dort etwa. Und: „Warum erhalten wir für unsere Gedichtbände trotz aller Rücksichtnahmen und Sorgfalt bei der Auswahl der Gedichte keine Drucklizenz?“ Einige seiner Werke wurden von ausländischen Verlagen oder im Internet veröffentlicht. Auch Fatemeh Ekhtesari konnte mit Ausnahme eines gedruckten Gedichtbandes für kein anderes Buch eine Drucklizenz von den iranischen Behörden erhalten.

Bereits früher verhaftet

Im September 2013 hatte die 27-Jährige mit fünf anderen iranischen Dichterinnen an Poesiefestivals in Stockholm und Göteborg in Schweden teilgenommen. Sie nahm dabei auch an einer Veranstaltung zum Thema „Widerstand an meinem Schreibtisch“ teil, bei der es unter anderem um die Übersetzung ihrer Dichtungen aus dem Persischen ging. Schwedische Übersetzungen ihrer Gedichte wurden in der Zeitschrift Kritiker veröffentlicht. Bereits nach ihrer Rückkehr aus Schweden war Ekhtesari einige Stunden festgenommen und über ihre Reise befragt worden.

Für Schlagzeilen hatte Ekhtesari auch 2012 gesorgt, als sie bei einem Fußballspiel zwischen dem Iran und Südkorea als Mann verkleidet mit ihren Freunden das Stadion betrat, was für Frauen im Iran verboten ist.

Solidarität

Mit einem offenen Brief an die Behörden haben 218 KünstlerInnen und Kulturschaffende die Behörden aufgefordert, Moussavi und Ekhtesari freizulassen. In den vergangenen Wochen kam es im Iran mehrfach zu Festnahmen von Internetaktivisten und Kulturschaffenden. Oppositionelle Webseiten gehen davon aus, dass damit der Druck auf die Zivilgesellschaft erhöht werden soll.

Farhad Salmanian

Zwei Verse von Mahdi Moussavi:

Ich konnte von dem Blick des Raben,
Der wegflog, begreifen:
Die Axt wird sich am Schicksal der Bäume
In unserem Garten vergreifen