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Weihnachten auf Iranisch

Die Christen im Iran feiern Weihnachten 2013 unter einer neuen Regierung. Anscheinend darf die religiöse Minderheit nun öffentlicher als unter der Regierung Ahmadinedschad feiern. mehr »


Die meisten Christen im Iran bereiten sich noch auf ihr heiliges Fest vor. Denn die Mitglieder der armenisch-orthodoxen Kirche feiern die Geburt Christi am 5. Januar. Anders als in den vergangenen Jahren können sie laut der Nachrichtenseite der iranischen Christen Mohabbat News nun öffentlich im ganzen Land Weihnachtsgeschenke oder Schmuckwaren für ihre Feste kaufen. Ein Tannenbaum zum Beispiel wird in der Hauptstadt Teheran für ungefähr 18 Euro verkauft. In diesem Jahr stehen vor einigen Kirchen in Teheran Weihnachtsbäume.
Nur die nordwestliche Provinz Aserbaidschan bildet eine Ausnahme: Die christliche Minderheit werde „aus Respekt“ vor den Muslimen das Weihnachtsfest nicht veranstalten, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf den Bischof der Region, Gregor Tschiftdjian. Der Grund dafür sei die Gleichzeitigkeit der christlichen Festtage mit Trauerfeierlichkeiten der Schiiten.

Offizielle Weihnachtsgrüße

Unabhängigen Schätzungen zufolge gibt es im Iran Rund 300.000 Christen und 600 Kirchen - Foto: sadranews.ir

Unabhängigen Schätzungen zufolge gibt es im Iran Rund 300.000 Christen und 600 Kirchen – Foto: sadranews.ir

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat in einer Botschaft den Christen im In- und Ausland zum Fest gratuliert. Auch wenn diese Geste wieder eine Bestätigung des Kurswechsels der Regierung in Sachen religiöse Minderheiten darstellt, scheint sich die Situation für die christlichen Konfessionen nicht sehr geändert zu haben.
Die US-amerikanische Kommission für Internationale Religionsfreiheit (USCIRF) weist in ihrem Jahresbericht 2013 über den Iran auf die Fortsetzung der Misshandlung der religiösen Minderheiten, unter anderem der Christen, hin. Dabei handelt es sich auch um Neuchristen oder Anhänger der evangelischen Kirche.
Seit Ende 2011 wurden viele Kirchen durch die Behörden gezwungen, ihre regelmäßigen Veranstaltungen einzuschränken. Die steigende Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in Großstädten wie Teheran für das Christentum machte den Behörden Sorgen. Der Geheimdienstminister der Regierung Ahmadinedschad, Heydar Moslehi, warnte schon im September 2010 vor der Ausbreitung des Christentums im Iran.

Aktiv trotz Einschränkungen

Infolge des staatlichen Drucks auf die christliche Minderheit entstanden in den vergangenen Jahren viele Hauskirchen, wo die Mitglieder in kleinen Gemeinden zusammenkommen, Messe halten oder beten können. Auch viele Hauskirchen standen unter Ahmadinedschad im Visier der Behörden.

Im Vergleich zu manchen islamischen Ländern wie Ägypten, Irak und Syrien gibt es auf der sozialen Ebene zwischen der Mehrheit der schiitischen Muslime und den Christen im Iran selten religiöse Konflikte. Die Verfolgungen, Verhaftungen oder Misshandlungen von Neuchristen und christlichen Minderheiten geschehen im staatlichen Auftrag: Die Regierung betrachtet das Christentum als Konkurrent für die staatliche Religion.

Viele Armenier kommen wegen der Feierlichkeiten mit Familie oder Freunden zusammen. Iranische Christen pflegen seit Jahrhunderten ihre kulinarischen und kulturellen Traditionen zum Fest, auch wenn die Revolution 1979 zur Auswanderung von vielen Christen aus dem Land führte.

Zahl der Christen

Ein Tannenbaum in der Hauptstadt Teheran kostet etwa 18 Euro - Foto: sadranews.ir

Ein Tannenbaum in der Hauptstadt Teheran kostet etwa 18 Euro – Foto: sadranews.ir

Es gibt unterschiedliche Einschätzungen der Anzahl von Christen in der Islamischen Republik. Nach der letzten Volkszählung von 2011 leben dort weniger als 120.000 Christen. Die Regierung ignoriert allerdings die beachtliche Zahl der vom Islam konvertierten „Neuchristen“. Unabhängigen Schätzungen zufolge gibt es im Iran Rund 300.000 Christen und 600 Kirchen. Bis zu 250.000 von ihnen sind Armenier und etwa 30.000 Assyrer, die zu den ältesten christlichen Gemeinschaften gehören. Beide Glaubensrichtungen sind offiziell anerkannt und haben feste Sitze im iranischen Parlament. Außerdem leben auch chaldäische Christen im Iran, die der Rom unierten assyrischen Kirche angehören.
Die iranischen Christen benutzen armenische, assyrische und persische Bibelübersetzungen für ihre religiösen Rituale.

Rituale

Eine der wichtigsten Zeremonien ist die Vorbereitung des heiligen Brots, das auch in den Kirchen verteilt wird. Manche brechen ihr eintägiges Fasten beim Abendmahl der Kirchen mit dem heiligen Brot, das nicht gekaut werden darf – denn es steht für den Leib Christi.
Das Abendessen am Heiligabend gehört zu den Weihnachtstraditionen im Iran. In der Regel werden Spezialitäten wie Fisch, Kräuteromelett, Kräutereintopf mit Jogurt oder geräucherter Lachs mit Reis gekocht.
Am 6. Januar veranstalten die Kirchen Gottesdienste und danach besuchen die Gläubigen ihre Verwandten oder Freunde.
Bei den Feierlichkeiten der iranischen Christen tauchen Ähnlichkeiten mit dem nationalen Neujahrfest Nowrouz am 21. März auf: Christliche Familien bereiten Süßigkeiten für ihre Veranstaltungen und die Gäste vor und beschenken die Kinder.

  Farhad Salmanian