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Zum internationalen Tag der MenschenrechteTransgender im Gottesstaat

Im Iran können Transsexuelle nach eingehenden medizinischen und psychologischen Untersuchungen eine Genehmigung für eine Geschlechtsumwandlung beantragen. Staatliche Stellen gehen davon aus, dass im Iran über 120.000 transsexuelle Menschen leben. Gender Diversity im Gottesstaat – wie geht so was? Yasmin Khalifa antwortet. mehr »

Es geht gar nicht. Bis jetzt hat der Iran der UN-Resolution* zum Erhalt und zur Verteidigung der Menschenwürde von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transmenschen und Intersexuellen im Sinne der allgemeinen Menschenrechte nicht zugestimmt. Das Recht, die eigene sexuelle Identität und Orientierung selbst bestimmen zu dürfen, ist diesem Staat, der für Homosexualität Peitschenhiebe und Schlimmeres vorsieht, schnuppe. Transpersonen werden im Iran als Menschen mit psychosexuellen Störungen angesehen, deren „Krankheit“ zum Wohle des Einzelnen und der Gesellschaft geheilt werden muss. Aber wie kommt es dennoch zu der scheinbaren Aufgeschlossenheit gegenüber diesem Thema?

Die Vorreiterin

In der jungen Islamischen Republik gelang es der Transgender-Frau Maryam Khatoonpour Molkara, sich als Mann verkleidet an den Wachen vorbei zu schieben, um dem Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini zu begegnen. Molkara hatte bereits 1975 angefangen, Briefe an Khomeini zu schreiben. Nun erklärte sie ihm in einem persönlichen Gespräch, dass ihr wahres Geschlecht sich von ihrem physischen Geschlecht unterscheide. Nach Rücksprache mit Ärzten genehmigte Khomeini eine Operation zur Geschlechtsumwandlung und erließ 1986 eine bahnbrechende Fatwa, die zur Toleranz gegenüber Transmenschen aufruft. Damit hatte er den Weg für die staatliche Unterstützung von Geschlechtsumwandlungen geebnet.

Der derzeitige oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, habe ihr später einen schwarzen Schleier gegeben, um sie damit offiziell als Frau anzuerkennen und Khomeinis Fatwa zu unterstützen, hatte Molkara später erzählt. Sie starb 2012 im Alter von 62 Jahren.

Transsexualität als Krankheit

Khomeinis Fatwa ebnete den Weg für die staatliche Unterstützung der Geschlechtsumwandlung

Khomeinis Fatwa ebnete den Weg für die staatliche Unterstützung der Geschlechtsumwandlung

Die geistliche Elite im Iran betrachtete dieses Dekret allerdings nie als eines, mit dem Geschlechtervielfalt geschützt und gefördert würde. Vielmehr steckt hinter der scheinbaren Toleranz die Absicht, Transsexuelle von einer „Krankheit“ zu heilen und sie zurück in die binäre Form heterosexueller Männer und Frauen zu pressen. Offiziell kann eine Störung der Geschlechtsidentität im Iran erst nach einer Reihe komplexer medizinischer Tests und Gerichtsverfahren diagnostiziert und anerkannt werden. Mehrfache physische und psychologische Untersuchungen sowie Besuche bei einem Psychiater, bei dem die „Patienten“ mit Methoden wie Elektroschocks wieder auf den „rechten Weg“ gebracht werden sollen, gehen einer Geschlechtsangleichung voraus.

In der Öffentlichkeit werden Transmänner oder Transfrauen oft gemieden – meist sogar von der eigenen Familie. Viele berichten von Missbrauch und Diskriminierung am Arbeitsplatz. In den Medien kommt das Thema Transsexualität nicht vor.

Ein Trauerspiel
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