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Rouhani hält Wort

Innerhalb eines Monats nach seiner Amtseinführung werde er das Verbot des Filmverbands „Khane Cinema“ aufheben, hatte Hassan Rouhani im Wahlkampf versprochen. Nun hat der neue iranische Präsident sein Versprechen mit einwöchiger Verspätung eingelöst. Und die Regierung hat noch mehr Pläne für das iranische Kino. mehr »

Die Wiedereröffnung des Haus des Kinos am nationalen Tag des Kinos im Iran hat bei vielen KünstlerInnen und Kulturschaffenden die Hoffnung verstärkt, der neue Präsident werde auch seine Wahlversprechen bezüglich der Aufhebung der Zensur wahrmachen und die Meinungsfreiheit garantieren.

Die neue Regierung des Landes hob am 12. September nicht nur das Verbot des Verbands auf, das die alte erlassen hatte, sondern bezeichnete „Khaneh Cinema“ – das „Haus des Kinos“ (HdK) – sogar als eins der wichtigsten Organe zur Förderung des iranischen Films. Zur Wiedereröffnung des Verbands erschien neben zahlreichen bekannten FilmemacherInnen und SchauspielerInnen auch der Chef der Filmabteilung des Ministeriums für Kultur und Islamische Führung, Hojatollah Ayubi. Er nutzte die Gelegenheit, den Filmschaffenden anzukündigen, dass die Regierung Maßnahmen zur Überwindung der Krise des iranischen Kinos ergreifen und alle wichtigen Entscheidungen im Bereich Film künftig in Zusammenarbeit mit kompetenten Personen und Organisationen aus der Filmindustrie treffen wolle.

Am Abend gab es dann ein Eröffnungsfest, an dem auch der Kulturminister Ali Jananti teilnahm. In seiner Rede versprach der Minister, für die Förderung des iranischen Kinos entscheidende Maßnahmen zu ergreifen. In den letzten vier Jahren durfte das HdK keine Feste organisieren.

Spannungsreiche Geschichte

Das Fest des Kulturministeriums anläßlich der Wiederöffnung de HdK

Das Fest des Kulturministeriums anläßlich der Wiederöffnung des HdK

Das HdK besteht aus 29 Vereinen und hat über 5.000 Mitglieder. Der 1985 gegründete und 1993 gerichtlich registrierte Dachverband wurde unter Präsident Mahmoud Ahmadinedschad oft attackiert und als „unmoralische Institution“ gebrandmarkt. Schließlich wurde er Anfang 2012 durch eine Verordnung des Ministeriums für Kultur und Islamische Führung aufgelöst, seine Zentrale in Teheran verriegelt. Zwar hielt das oberste Verwaltungsgericht des Iran die Schließung für „nicht gesetzeskonform“, dennoch blieb das HdK weiterhin geschlossen.

In den letzten Monaten der Regierung Ahmadinedschads im Frühling 2013 wurde dann eine Sonderkommission damit beauftragt, den Dachverband durch eine Organisation unter staatlicher Leitung zu ersetzen. Das HdK protestierte gegen diese Entscheidung, konnte die Gründung des Gegenverbands aber nicht verhindern.

Filmschaffende haben immer wieder gegen das Verbot des HdK protestiert, wie hier auf dem Foto - 18 Juni 2013

Filmschaffende haben immer wieder gegen das Verbot des HdK protestiert, wie hier auf dem Foto – am 18. Juni 2013

Nach dem Wahlsieg von Hassan Rouhani hofften auch die Filmschaffenden auf mehr Freiheit für kulturelle Aktivitäten. Rouhani hatte in seinem Wahlkampf versprochen, binnen eines Monats nach seiner Amtsübernahme das HdK wieder zuzulassen. Auch der neue Kultusminister Ali Janati beteuerte in seiner Rede zum Amtsantritt: „Nun ist es an der Zeit, das Haus des Kinos wieder zu eröffnen und den Filmemachern zu überlassen.“ Kurz darauf, am 27. August, erklärte er der Presse jedoch, „es wäre gut, wenn das Haus des Kinos beide Verbände beherbergen würde.“ Am 4. September schließlich kündigte Janati wieder ein anderes Vorgehen an: „Die Gründung eines Berufsverbands wurde der Filmabteilung des Kultusministeriums überlassen und wir bemühen uns, alle Filmschaffenden unter einem Dach zu vereinen“, so der Minister. Daraufhin versprach der neue Leiter der Filmabteilung, Hojatollah Ayubi, den Filmschaffenden „eine gute Nachricht als Geschenk zum nationalen Tag des Kinos“.

Die widersprüchlichen Aussagen des Ministeriums wurden von den FilmemacherInnen als Zeichen der Planlosigkeit interpretiert. Manche Beobachter vermuteten sogar, die Ultrakonservativen würden weiterhin die Kulturpolitik des Landes bestimmen und eine Wiedereröffnung des HdKs nicht zulassen. Doch alle Prognosen erwiesen sich als falsch.

AA