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Drogen statt Diät

Immer mehr iranische Frauen konsumierten oft unwissentlich harte Drogen, um schlank zu werden, warnen die Behörden. Die Zahl der jungen Drogenabhängigen im Land nimmt zu. Der Kampf gegen die zunehmende Drogensucht im Iran ist eine Herausforderung für die neue Regierung. mehr »

„Immer mehr iranische Frauen konsumieren Haschisch und Kokain.“ Diese Warnung kommt von Taha Taheri, dem stellvertretenden Leiter der iranischen Antidrogenbehörde. Seinen Angaben zufolge gibt es bereits in 18 Provinzen des Landes spezielle Einrichtungen für drogensüchtige Frauen. Trotzdem habe man der Verbreitung von Drogen bei jungen Frauen keinen Einhalt gebieten können.
Vor Taheri hatte bereits auch der Leiter der Abteilung für Suchtprävention des Gesundheitsministeriums, Abbas-Ali Nassehi, eine Warnung ausgesprochen: „Viele Frauen versuchen durch Drogenkonsum abzunehmen“, so der Beamte. Während Kokain in wohlhabenden Kreisen wissentlich konsumiert werde, würden andere Drogen wie Crack unwissentlich als Mittel zur Gewichtsreduzierung eingenommen: „Sie werden in Friseurläden und Fitnesscentern als harmlose pflanzliche Mittel empfohlen und angeboten“, so der Experte. Da sie appetithemmend seien, führten sie tatsächlich zur Gewichtsabnahme. In den vergangenen Jahren sei die Zahl drogenabhängiger Frauen ebenso wie der Konsum von Crack deutlich angestiegen, erklärte Nassehi.
Die Zeitung Teheran-e-Nou zitierte am 13. Juli Farid Barati Sadeh vom staatlichen Wohlfahrtsverband mit den Worten: „8,2 Prozent der Teheraner, die meisten davon zwischen 14 und 30 Jahre alt, haben mindestens einmal Drogen ausprobiert.“ Barati Sadeh schätzt die Zahl der Drogenabhängigen im Iran auf „3 bis 3,5 Prozent der Bevölkerung“.

Unterschiedliche Zahlen

Statt die Ursachen zu bekämpfen versucht die iranische Regierung, die Schuldigen für das Suchtproblem außerhalb der Grenzen zu suchen.

Statt die Ursachen zu bekämpfen versucht die iranische Regierung, die Schuldigen für das Suchtproblem außerhalb der Grenzen zu suchen.

Genaue Angaben über Anzahl und Geschlechterverteilung der Drogenabhängigen gab es bis jetzt offiziell nicht. Die Zeitung Ghanoon veröffentlichte kürzlich aber Hochrechnungen der iranischen Antidrogenbehörde, wonach die Zahl der Drogensüchtigen auf 1,3 Millionen geschätzt wird. Etwa 270.000 davon seien Frauen. Bereits im vergangenen Dezember veröffentlichte die Zeitung ein Interview mit Mostafa Pudratchi, Mitglied des wissenschaftlichen Rats der Allame-Tabatabai-Universität in Teheran. Er erklärte, die offiziellen Erhebungen umfassten nur etwa fünf bis zehn Prozent der real existierenden Drogenabhängigen: „Studien zufolge sind im Iran mehr als 5 Millionen Familien von Drogensucht betroffen. Es gibt sogar Drogensüchtige an Grund- und Mittelschulen.“
Wegen der zunehmenden Drogensucht schlagen Politiker und Experten Alarm und fordern Gegenmaßnahmen – doch die Regierung winkte bisher ab. Der stellvertretende Leiter der Antidrogenbehörde, Babak Dinparast, wollte in Schulbüchern über die Drogengefahren aufklären. Mit dem Bildungsministerium abgesprochen seien zehn Seiten Drogen-Aufklärung in der sechsten Klasse, erklärte Dinparast im April. Mitte Mai dementierte die Regierung das Vorhaben.
Die steigende Menge von Drogen auf dem Markt führt dazu, dass deren Preis im Vergleich zu anderen Gütern relativ stabil bleibt. Am 26. Juni, dem internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch, stellte die Zeitung Shargh fest: Während die Teuerungsrate im Iran zwischen 2004 und 2013 bei 344 Prozent lag, betrug sie bei Drogen nur 171 Prozent.

„Das Ausland ist schuld“

"Es gibt sogar Drogensüchtige an Grund- und Mittelschulen.“

„Es gibt sogar Drogensüchtige an Grund- und Mittelschulen.“

Statt die Ursachen zu bekämpfen versucht die iranische Regierung, die Schuldigen für das Suchtproblem außerhalb der Grenzen zu suchen. Vor allem zeigt das Regime dabei auf den zunehmenden Mohnanbau in Afghanistan. Fast alle Verantwortlichen, darunter Taha Taheri von der Antidrogenbehörde, Mohmmad Reza Radan, stellvertretender iranischer Polizeidirektor, sowie Alaedin Brujerdi, der Vorsitzende des nationalen Sicherheitsrats des iranischen Parlaments, sehen die Wurzeln des iranischen Drogenproblems in Afghanistan. Die Ansicht von Experten, die hohe Arbeitslosigkeit, die Aussichtslosigkeit der Jugend, das Verbot von Freizeitaktivitäten wie Konzerten oder Tanz seien wichtige Faktoren für den Drogenkonsum, weisen sie als „Hirngespinst“ zurück.
  FP